Neue Probleme für eine mögliche Kaufhausfusion: Die Karstadt-Vermieter tragen den Zusammenschluss nicht mit. Der Gegenvorschlag: Niedrige Leasingraten, kleinere Flächen.

Die Vermieter der Arcandor-Tochter Karstadt weigern sich nach einem Bericht des "Handelsblatts", bei einer fusionierten Warenhausgesellschaft von Karstadt und Kaufhof einzusteigen.

Das Immobilienkonsortium wolle auch nicht ohne weiteres Mietminderungen hinnehmen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf das Konsortium Highstreet, dem neben Goldman Sachs (51 Prozent) die Immobilientöchter von Deutscher Bank und Pirelli angehören. Die Weigerung der Vermieter erschwerten die Verhandlungen zwischen den Kaufhaus-Müttern Metro und Arcandor, heißt es.

"Mietfreie Gnadenperiode"

Das "Wall Street Journal" schreibt dagegen, die Vermieter würden nun geringere Leasingraten anbieten. Dies könnte auch eine "mietfreie Gnadenperiode" einschließen. Zudem würden Möglichkeiten geprüft, die Erlöse in den Geschäften zu erhöhen.

Eine weitere Option ist laut dem Blatt die Verkleinerung der Verkaufsfläche von Karstadt, um so neue Mieter in die Kaufhäuser locken zu können. Damit könnte Highstreet die Einkaufshäuser zu Multi-Shop-Zentren machen, so das WSJ weiter. Ein Arcandor-Sprecher bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires am Mittwoch, dass es Verhandlungen zwischen dem Essener Handelskonzern und den Vermietern gebe. Die Gespräche bezeichnete er als gut. Einen Zwischenstand wollte er allerdings nicht abgeben.

Erst die Staatsbürgschaft sichern

Nach den Vorstellungen von Metro-Chef Eckhard Cordes sollen die Vermieter ebenso wie Metro selbst jeweils 49 Prozent an der fusionierten Warenhausgesellschaft halten. Die restlichen Anteile, so dessen Vorschlag, würden dann mehrere Banken übernehmen, schreibt das "Handelsblatt".

Die betroffenen Vermieter hielten aber wenig von dem Cordes-Modell. "Es gibt keine Gespräche über eine Beteiligung an der geplanten Deutschen Warenhaus AG", hieß es bei einem der beteiligten Immobilienbesitzer. Es müsse zunächst die Staatsbürgschaft gesichert werden, damit die Banken stillhalten.

Kein "Plan B" in der Schublade

Einen "Plan B" etwa die Suche nach einem neuen Mieter oder den Umbau der Warenhäuser in Einkaufszentren gebe es nicht. Hintergrund soll der hohe Kaufpreis der Karstadt-Immobilien und damit einhergehend der vereinbarte hohe Mietpreis sein. Die Käufer hätten einen Gesamtpreis einschließlich Schulden von 4,5 Milliarden Euro gezahlt.

Im Gegenzug habe der damalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ab Geschäftsjahr 2009 für die Highstreet-Häuser eine Mieterhöhung akzeptiert. Neun Prozent vom Umsatz müssten die Essener an die Immobilienbesitzer abführen, als "marktüblich" bezeichnen Immobilienexperten lediglich vier bis sechs Prozent. Entsprechend zugeknöpft gebe sich das Konsortium, die Pachten, wie von Arcandor gefordert, wieder zu senken.

Stichtag 12. Juni

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hatte in dieser Woche Gespräche über eine mögliche Fusion mit seinem Metro-Kollegen Eckhard Cordes verschoben, weil er sich zunächst auf die dringend benötigte Staatshilfe konzentrieren will.

Eick will staatliche Bürgschaften in Höhe von 650 Millionen Euro sowie einen 200 Millionen Euro Kredit bei der staatlichen KfW-Bank. Eine Zusage braucht er bis zum 12. Juni, weil dann eine Kreditlinie über 650 Millionen Euro ausläuft. Ohne Zusage droht Arcandor die Insolvenz. Die Veröffentlichung seiner Halbjahresbilanz hat der Konzern unterdessen erneut verschoben. Als Grund nannte die im MDAX notierte Gesellschaft die laufenden Finanzierungsverhandlungen. Ursprünglch wollte Arcandor die Zahlen am Freitag vorlegen. Neuer Termin ist nun der 18. Juni - sechs Tage nach dem von Eick zum Schiksalstermin erhobenen 12. Juni.

Steinbrück kann sich Staatshilfe vorstellen

Zahlreiche Politiker (vor allem aus der CDU, in der Metro-Chef Cordes Vizepräsident des Wirtschaftsrats ist) lehnen aber Staatshilfen für den Konzern ab, weil sie die Krise als hausgemacht ansehen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) schließt allerdings einem Interview im ARD-"Morgenmagazin" zufolge staatliche Hilfen nicht aus.

Steinbrücks Erklärung beflügelte am Mittwoch den Börsenkurs der Arcandor-Aktie, der zuletzt deutlich gefallen war. Zudem meldete der Informationsdienst "Platow-Brief" unter Berufung auf Bankenkreise, dass die Gläubigerbanken Royal Bank of Scotland (RBS) und Commerzbank vor der Verlängerung ihrer Kreditlinien stünden - auch ohne Staatsgarantie.

Kaufhof-Chef Mandac: Media Märkte könnten bei Karstadt einziehen

Kaufhof-Chef Lovro Mandac kritisierte in der "Süddeutschen Zeitung" ebenfalls die Aarcandor-Wünsche nach staatlicher Finanzhilfe. "Es gibt eine klare gesetzliche Regelung: Unternehmen erhalten nur dann Staatshilfe, wenn sie nach dem 1. Juli 2008 im Gefolge der Finanzkrise in Schieflage geraten sind. Das ist bei Arcandor nicht der Fall."

Mandac deutete an, dass einige Metro-Töchter (Media Markt und Saturn) Interesse an Karstadt-Häusern haben könnten. "Denkbar ist auch, dass unsere Sporthäuser Teile der Flächen nutzen", sagte der Kaufhof-Chef.

Bleibt die Marke Karstadt?

Ob bei einer Fusion beider Warenhäuser die Marke Karstadt verschwinden würde (wie beim Zusammenschluss von Kaufhof mit Horten), ließ Mandac offen. "Es bleibt bei unserem Konzept, dass es ermöglicht, die Mehrheit der Karstadt-Standorte und -Arbeitsplätze zu erhalten. Voraussetzung ist, dass alle beteiligten Parteien mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit und dem notwendigen Integrationswillen an einem gemeinsamen Lösungskonzept arbeiten. Die Metro-Group und Kaufhof haben ihren Willen dazu erklärt, aber wir alleine reichen für diese Mammutaufgabe nicht."

dpa / Dow Jones Newswires / ges