Auch nach der Übernahme durch Nicolas Berggruen soll die Hauptverwaltung von Karstadt in Essen bleiben. Damit setzt der Investor eine lange Tradition fort.

Theodor Althoff war ein Unternehmer mit Pioniergeist: 1904 eröffnete er in Dortmund sei erstes Warenhaus, 1920 fusionierte seine Kaufhauskette mit der von Rudolph Karstadt zur "Rudolph Karstadt AG" - der Ursprung des heutigen Warenhauskonzerns Karstadt.

Heute ist Althoff vor allem durch die Namensgebung für jene Straße bekannt, in der Karstadt seinen Hauptsitz in Essen hat: Seit vielen Jahren heißt die Adresse von Karstadt - und auch zwischenzeitlich der mittlerweile liquidierten Konzernmutter Arcandor - Theodor-Althoff-Straße.

Nun können die Karstadt-Mitarbeiter dort aufatmen: Auch unter der Regie des neuen Eigentümers Nicolas Berggruen soll der Hauptsitz von Karstadt in Essen bleiben. Das wurde vom Sprecher des Insolvenzverwalters heute bestätigt.

Seit mehr als 40 Jahren in Essen

Karstadt residiert seit dem Ende der sechziger Jahre in Essen. Davor war die Hauptverwaltung mehrmals umgezogen: Von Wismar, dem ersten Karstadt-Standort, nach Kiel, Hamburg und schließlich ins Ruhrgebiet.

Die Bus-Haltestelle "Karstadt HV" bleibt also die Endstation für die Mitarbeiter der Hauptverwaltung. Ob deren Zahl jedoch stabil bleibt, wird sich zeigen. Unter dem Insolvenzverwalter wurden die Stellen in Essen bereits mächtig gekürzt, vor allem nach dem Untergang von Arcandor.

In den guten alten Zeiten luden die Chefs von Arcandor - und davor von KarstadtQuelle - die Journalisten gerne ins noblere Düsseldorf für ihre Pressekonferenzen.

Seit der Insolvenz hat sich das geändert: Pressekonferenzen wurden oft vor dem verglasten Gebäude in Essen abgehalten, und Gläubigerversammlungen fanden auch schon mal in der Kantine statt.

Für die Stadt Essen wäre ein Weggang von Karstadt ein harter Schlag. Die Stadt hat sich zwar an Hiobsbotschaften gewöhnt - der Traditionsfußballklub Rot-Weiss, für den der 54er WM-Held Helmut Rahn gespielt hat, ist zum Beispiel insolvent, wie auch das Herzzentrum am Elisabeth-Krankenhaus.

Doch in der aktuellen Kulturhauptstadt Europas wird man sich freuen, wenn dort wenigstens ein Stück Warenhauskultur erhalten bleibt.