Oberhausen? Essen! Die Karstadt-Zentrale bleibt, wo sie Jahrzehnte lang war. Das Gebäude hat den Eigentümer gewechselt, die Mietkonditionen sind günstiger geworden. Nun soll alles umgebaut werden und eine neue Arbeitskultur einziehen. Sogar Geld verdienen will Karstadt mit der Zentrale.

Für Essen ist das eine gute Nachricht. Denn die Zentrale von Karstadt bleibt entgegen der vielen Spekulationen der Stadt erhalten. An selber Stelle, im selben Gebäude in der Theodor-Althoff-Straße im Stadtteil Bredeney. Nur für Karstadt ändert sich etwas - es gibt einen neuen Vermieter. Das Büro- und Verwaltungsobjekt mit rund 109.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche wurde von der Publity AG (Sitz Leipzig) erworben, einem Finanzinvestor für Gewerbeimmobilien.

Karstadt nutzt dabei eine Fläche von nur noch 30.000 Quadratmeter - der Mietvertrag läuft zunächst über 12 Jahre. Offenbar sind die neuen Mietkonditionen derart günstig geworden, dass es Karstadt leicht gefallen ist, am Ort zu bleiben, und nicht etwa nach Oberhausen zu ziehen, wie diskutiert wurde.

Was allerdings mit der restlichen Fläche der Immobilie passieren soll, war auf Nachfrage von Der Handel bei Publity nicht zu erfahren. Nicht einmal der bisherige Eigentümer der Immobilie wurde öffentlich gemacht - es ist der Karstadt Pensionsfonds. Immerhin wird der Standort im Essener Süden als erstklassig bezeichnet, der großes Potenzial für eine hochwertige Quartiersentwicklung habe.

Erst Umzug, dann neue Kommunikation

Zunächst will auch Karstadt seine Zentrale neue entwickeln, die 1969 vom Architekten Walter Brune gebaut wurde. Und das betrifft die 1.200 Mitarbeiter der Zentrale. In einem Schreiben an die Belegschaft, das Der Handel vorliegt, kündigt Karstadt-Geschäftsführer Stephan Fanderl an, aus dem Herzstück des Unternehmens etwas machen, "das es so im deutschen Einzelhandel noch nicht gibt". So sind umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen vorgesehen, in dieser Zeit sollen die Mitarbeiter innerhalb des Gebäudes umziehen.

Das neue Karstadt soll dann eine andere, schnellere Kommunikation unter dem gesamten Personal ermöglichen - dank kurzer Wege und offener Flächen. Entsprechende Erfahrungen habe die Geschäftsführung bereits in ihrem bisherigen Gebäudeteil gesammelt, schreibt Fanderl. "Wir lassen durch mehr direkte Kommunikation die Schwerfälligkeit eines alten Tankers hinter uns und entwickeln uns von der Geschwindigkeit her in Richtung Schnellboot."

Mit der Gastronomie Geld verdienen

Doch das direkte Miteinander ist nur ein Ziel. Denn Karstadt will auch mit der Zentrale Geld verdienen. Es geht hierbei um die Gastronomie, die auch von weiteren Mietern des Hauses aufgesucht werden soll. "Außerdem werden wir prüfen, ob sich dann auch weitere Einkaufs-Lösungen rechnen", teilt Fanderl mit. Und schließlich denke man darüber nach, ob Karstadt auch auch Logistik am Standort Bredeney ansiedeln könne. 

Das Modell Standortsicherung durch neue Immobilieneigentümer mit günstigeren Mietverträgen hat bei Karstadt auch schon bei den Filialen in Dessau, Mönchengladbach und Neumünster gegriffen. Alle drei Häuser standen vor der Schließung - wurden aber im vergangenen Jahr gerettet.

Allmählich zahlt sich die Arbeit von Fanderl aus. Dank enorm reduzierter Betriebskosten in vielen Bereichen infolge des Sanierungsprogramms "Fokus" hat der Warenhauskonzern seine Erwartungen für das restliche Geschäftsjahr nach oben korrigiert. "Wir rechnen mit einem zweistelligen Millionenbetrag zusätzlich zu dem normalen Umsatz", hatte Vertriebschef Thomas Wanke vor einigen Tagen mitgeteilt. Karstadt wird in diesem Jahr 135 Jahre alt.