Der Karstadt-Belegschaft stehen einschneidende Einsparungen bevor. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter hat Interimschef Miguel Müllenbach tiefe Einschnitte angekündigt. Doch schon jetzt sei es gelungen, die finanzielle Lage des Unternehmens zu verbessern.

Es ist eine wegweisende Woche für Karstadt. An diesem Dienstag findet in Göttingen die zweite Runde der Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi statt. Am Donnerstag kommt der Aufsichtsrat zusammen, um voraussichtlich den derzeitigen Vorsitzenden des Gremiums, Stephan Fanderl, zum neuen Geschäftsführer des Warenhausunternehmens zu bestellen. Eine Aufgabe des neuen Chefs dürfte die harte Sanierung von Karstadt sein.

Was das bedeuten kann, zeigt ein aktuelles internes Schreiben des Interimschefs Miguel Müllenbach an die Karstadt-Mitarbeiter, das Der Handel vorliegt. "Das hinter uns liegende Geschäftsjahr gehört mit zu den schwierigsten in der Geschichte von Karstadt und hat unsere tägliche Arbeit zum Beispiel durch den mehrfachen Wechsel in der Geschäftsführung, das nach wie vor defizitäre Ergebnis und die damit verbundene unausweichliche Notwendigkeit einer harten Sanierung sehr stark belastet", schreibt Müllenbach, der auch Finanzchef von Karstadt ist.

Erst am Anfang der Sanierung

Weiter heißt es, dass das Unternehmen erst am Anfang der Sanierung stehe, die, "wie wir alle wissen, einschneidende Veränderungen nach sich ziehen wird, nicht zuletzt auch durch entschiedene Einsparungen von Personal- und Sachkosten".

Trotzdem hat Müllenbach auch positive Botschaften an die Beschäftigten. Zwar sei der Umsatz im letzten Geschäftsjahr nicht gestiegen, dennoch habe das Unternehmen seit drei Jahren erstmals eine operative Ergebnisverbesserung geschafft und außerdem seine Cash-Position nachhaltig verbessert. "Wir haben also mehr Geld zur Verfügung, mit dem wir arbeiten können."

Karstadt habe im Vergleich zum Bilanzstichtag des Geschäftsjahres 2012/13 auch mit Hilfe des neuen Eigentümers Signa eine deutlich bessere Situation erarbeitet, die es dem Unternehmen ermögliche, das kommende Weihnachtsgeschäft und die Sanierung solide zu finanzieren.

Bessere Verträge mit Lieferanten

Mit dem Sanierungsprogramm sei Karstadt auf einem guten Weg. So habe das Unternehmen zum Beispiel seine Warenüberbestände abgebaut, so dass nun von einer besseren Kalkulation profitieren werden könne, schreibt Müllenbach. Viele Verträge mit Lieferanten seien zum Vorteil von Karstadt neu verhandelt worden.

Um Karstadt zu retten, sei Sanierung kein Selbstzweck, betont Müllenbach. Sie werde auch viele Chancen bringen, "wie weniger und flachere Hierarchien und damit mehr Entscheidungsspielraum für viele Mitarbeiter", betont Müllenbach weiter.

Es bestehe eine sehr gute Chance, Karstadt vorwärts zu bringen und nicht nur die Ergebnissituation weiter zu verbessern, "sondern auch endlich wieder Geld über die Ladenkasse zu verdienen", also im Kerngeschäft erfolgreich zu sein. Dazu bedürfe es neben dem reinen Sanierungskonzept auch weiterer Maßnahmen, über die die Mitarbeiter in Kürze informiert werden sollen. Gemeint dürfte damit die Aufssichtsratssitzung am Donnerstag sein.