75 Millionen Euro will Karstadt investieren, um 27 Filialen zu modernisieren. Das klingt nach viel Geld, ist aber genau genommen bescheiden. Ein Immobilienexperte verlangt mindestens den doppelten Betrag.

75 Millionen Euro will Karstadt in diesem Geschäftsjahr für die Renovierung von 27 Häusern ausgeben. Andreas Kogge muss gar nicht lange darüber nachdenken bevor er sagt, was er davon hält. "Das ist zu wenig", betont der Leiter des Bereichs Einzelhandelsimmobilien beim Makler Jones Lang LaSalle Berlin gegenüber derhandel.de.

Kogge kalkuliert, dass zwischen 180 und 200 Millionen Euro notwendig sind, um die vielerorts altbackenen Häuser zeitgemäß zu gestalten.

75 Millionen Euro - das entspricht im Durchschnitt 2,78 Millionen Euro pro Haus. Das ist nicht viel für ein Warenhauskonzern, der in seinen Filialen eine verjüngte Einkaufswelt schaffen will, "die bestehenden und zukünftigen Kunden Raum für Neuentdeckungen und Kauffreude eröffnet".

Dies kündigte der neue Chef Andrew Jennings verheißungsvoll an. Und sein Interimsvorgänger Thomas Fox visionierte gar vom internationalem Flair, Glamour und Glitzer.

Solide, aber kein Glitzer

Für 2,78 Millionen Euro ist jedoch nicht viel Glitzer zu haben. Dafür bekommt man eine solide Modernisierung zustande, wie beispielsweise beim Karstadt in Darmstadt, wo der Umbau von 15.000 der insgesamt 18.000 Quadratmeter Verkaufsfläche im Jahr 2008 abgeschlossen wurde und 3,5 Millionen Euro verschlang.

Kogge verweist auch darauf, dass einige Karstadtfilialen unter Denkmalschutz stehen, wie das fünfgeschossige Bremer Haus, das zwischen 1930 und 1932 erbaut worden ist. Seit dem 5. August 2010 ist diese Filiale denkmalgeschützt - wer hier renovieren will, muss behutsam vorgehen und möglicherweise mehr Geld investieren, als in einen schmucklosen Betonklotz aus den siebziger Jahren.

Für Kogge sind die 75 Millionen nur ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der Menge der notwendigen Arbeiten. "Schließlich hat Karstadt die letzten 15 Jahre verschlafen." Außerdem weist er darauf hin, dass durch einen Umbau meist Umsatzverluste entstehen, die in den Investitionen berücksichtigt werden müssen.

Dauerthema: Warenhaus AG

Es mag Zufall sein, dass zwei Nachrichten fast parallel in Umlauf gerieten. Die Kunde über die Investitionssumme von Karstadt und die wiederholt vorgetragene Sehnsucht von Metro-Chef Eckhard Cordes nach einer Deutschen Warenhaus AG. Sprich Fusion von Karstadt und der Metro-Tochter Galeria Kaufhof.

Im nächsten Jahr läuft der Sanierungstarifvertrag bei Karstadt aus, der für die Beschäftigten unter anderem eine Jobgarantie vorsieht. Erst ab 2012 wird wirklich sichtbar, ob Nicolas Berggruen wirklich langfristiger Investor von Karstadt sein möchte. Oder, ob der clevere Geschäftemacher nicht nur die Filialen aufgehübscht - um sie dann anderweitig zu verwenden.

Beispielsweise in einer großen, deutschen Warenhausfusion. Dann glitzert es auch.