Die Ungewissheit über die Zukunft von Karstadt macht sich auch in Asien breit: Textillieferanten haben laut Medienberichten Sorge, dass ihre Rechnungen nicht bezahlt werden.

Die Parallelität mancher Ereignisse trägt zuweilen komische Züge. "Feuer bei Karstadt" meldete die Berufsfeuerwehr Iserlohn am Samstag. Eine Kühltruhe in der Lebensmittelabteilung habe in Flammen gestanden, diese sei nun stilleglegt, der Inhalt vernichtet worden. 

Bei Karstadt ist Feuer unterm Dach - in jeder Hinsicht. Bisher wurde in der Öffentlichkeit aber nur das Mieten-Geschachere von Investor Nicolas Berggruen mit dem Vermieterkonsortium Highstreet wahrgenommen.

Doch es schwelen auch andere Brände. Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, dass immer mehr asiatische Textillieferanten in Sorge sind, ob sie ihr Geld für Warenlieferungen erhalten. Deswegen sei die Warenversorgung für das kommende Frühjahr gefährdet, für die gerade die Einkäufer in Namen Karstadts unterwegs sind.

"Asiaten beobachten Entwicklung genau"

"Die Asiaten beobachten sehr genau, was bei uns vorgeht", zitiert die Zeitung einen Essener Einkaufsmanager. "Viele der Lieferanten haben schon bei der Quelle-Insolvenz und der abschließenden Abwicklung viel Geld verloren." Auch Quelle gehörte zum untergegangenen Arcandor-Konzern.

Noch immer ist nicht klar, wem das insolvente Warenhaus in Zukunft gehören wird. Am 3. September entscheidet das Essener Amtsgericht über den Insolvenzplan für Karstadt. Der schlimmste, aber mögliche Fall ist die Zerschlagung. Möglich ist aber auch, dass nicht der anvisierte Käufer Nicolas Berggruen, sondern Maurizio Borletti den Zuschlag bekommt.

Borletti ist bereit

Der Italiener hatte vergangene Woche sein Kaufangebot erneuert und ließ mitteilen, dass alle Dokumente für den Kauf vorbereitet seien. "Die Übernahme könnte schnell gehen." Allerdings hatte Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg mehrfach betont, dass Berggruen sein bevorzugter Mann sei.

Diese Unsicherheit macht Produzenten in Asien nervös. "Die Lage wird für uns dadurch verschärft, dass im wichtigen Textilherstellerland China die Arbeitskräfte und damit die Kapazitäten knapp sind. Da hat ein Unternehmen, bei dem die Eigentümerfrage nicht geklärt ist, nicht gerade die besten Chancen auf gute Ware", zitiert "Die Welt" einen Karstadt-Manager.

Manche Lieferanten würden wenigstens noch Ware gegen Vorkasse schicken. "Aber das halten wir finanziell nicht lange durch", klagt der Insider.

Den Brand in Iserlohn konnte die Berufsfeuerwehr mit zwölf Einsatzkräften übrigens zügig löschen. "Die ebenfalls alarmierte Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr brauchte nicht mehr ausrücken", hieß es. Wenn doch bei Karstadt alles nur so einfach wäre.

ges

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie
hier.