In die Zockerei um Karstadt kommt immer mehr Dynamik. Neuerdings bieten sogar Russen für den Warenhauskonzern mit. Das Angebot umfasst sechs Briefseiten. Eines der Argumente: Barzahlung.

Die Offerte kam spät, überraschend - hat es aber in sich. Seit Freitag bieten auch russische Geschäftsleute für Karstadt mit. Eine Gruppe unter Führung des St. Petersburger Unternehmers Artur Pachomow will 100 Prozent der Geschäftsanteile erwerben.

Laut "Spiegel" habe Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg von Pachomows Karotex-Konsortium ein unverbindliches Angebot erhalten. Dieses bestehe aus einem sechsseitigen Brief. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass Pachomow 60 Millionen Euro in bar für Karstadt geboten habe.

Jährlich 80 Millionen Euro

In dem Bewerbungsschreiben stehe auch, dass es für Karotex Ziel sei, "eine strategische Entscheidung der Karstadt Warenhaus GmbH aus dem Jahr 2005 aufzugreifen und umzusetzen: Die Verbereiterung der wirtschaftlichen Basis durch punktuelle Internationalisierung an attraktiven Standorten Deutschlands".

Außerdem sei beabsichtigt, "der Karstadt Warenhaus AG nach Übernahme der Geschäftsanteile liquide Mittel" für die Finanzierung des Weihnachtsgeschäfts 2010 zur Verfügung zu stellen. Zudem solle, "beginnend im Jahr 2011 durch Investitionen in einer jährlichen Größenordnung von 80 Millionen Euro die Karstadt Warenhaus AG langfristig gesichert werden".

Zu Pachomows Konsortium gehören unter anderem ein Handelszentrum für Textilien und Lebensmittel sowie großer Hotels in St. Petersburg. Laut "Süddeutscher Zeitung" war der heute 47 Jahre alte Russe Vizepräsident der St. Petersburger Industrie- und Handelskammer und habe Erfahrungen mit der Privatisierung von Staatseigentum gesammelt.

Den Kontakt nach Russland haben offenbar Karstadt-Führungskräften gesucht. Der ehemalige Karstadt-Justiziar Bernd-Volker Schenk sowie der frühere Chef der Warenhaus GmbH Helmut Merkel fungieren laut "Spiegel" als Berater von Pachomow.

Ehemalige Karstadtchefs als Berater

Bisher hat Pachomow aber noch nicht einmal die Bücher von Karstadt geprüft, so dass es vorerst bei drei offiziellen Bietern für die insolvente
Warenhauskette bleibt: Highstreet, Berggruen und Triton.

Am Freitag hatten diese drei dem Gläubigerausschuss in Essen ihre Rettungskonzepte vorgestellt. Die Entscheidung über einen Zuschlag wurde anschließend auf den 7. Juni vertagt. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sagte, es seien drei "seriöse Angebote" vorgelegt worden.

Der Vorsitzende des Karstadt-Gesamtbetriebsrates, Hellmut Patzelt, wollte keinen Favoriten unter den drei Bietern benennen. Da das letzte Angebot erst seit kurzem vorliege, gelte es nun, die Angebote genau zu prüfen, sagte er im "Deutschlandradio Kultur". Das Angebot des Karstadt-Vermieters Highstreet war erst wenige Stunden vor Beginn der Sitzung am Freitag bekanntgeworden.

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.