Die Zahlen werden besser, die Zentrale bleibt, wo sie seit Jahrzehnten war - und nun expandiert Karstadt sogar. In Berlin will das Warenhausunternehmen eine Filiale eröffnen, abgestimmt auf ein modernes Handelsquartier im Bezirk Tegel.

Vor einigen Tagen ließ Stephan Fanderl aufhorchen. "Jetzt ist die Zeit zu Ende, in der wir über Schließungen nachdenken mussten. Wir suchen Wachstum, wollen auch mal wieder eine Filiale eröffnen", sagte der Geschäftsführer von Karstadt. Wo das Warenhausunternehmen wachsen soll, verriet er damals noch nicht. Aber nun weiß man mehr: in Berlin.

Karstadt eröffnet im Tegel-Center in der Fußgängerzone Gorkistraße spätestens 2018 ein neues Warenhaus, teilt das Unternehmen an diesem Dienstag mit. Dieses Einkaufsareal im Stadtbezirk Tegel wird von High Gain House Investments (HGHI) entwickelt. Dahinter steckt der Berliner Harald Huth, befreundet mit René Benko, dessen Unternehmen Signa Eigentümer von Karstadt ist. Huth hatte bereits das 2014 eröffnete Center Mall of Berlin entwickelt.

Kleiner und lokaler

Der neue Karstadt in der Gorkistraße ist eine etwas andere Betriebsform für Warenhäuser. Die Filiale hat nur noch 8.800 Quadratmeter Verkaufsfläche auf vier Etagen und wird als lokaler Marktplatz konzipiert. Karstadt hat mit HGHI einen Mietvertrag mit langer Laufzeit abgeschlossen, hieß es weiter.

"Wir werden mit unserer neuen Filiale in Tegel den Standard für ein neues Einkaufen schaffen", sagt Karstadt-Chef Fanderl. Natürlich werde sein Unternehmen weiterhin auf die Kosten schauen. "Aber wir beginnen jetzt auch, erstmals in vielen Jahrzehnten Karstadt-Geschichte, offensiv nach vorne zu arbeiten. Mit der vollständigen Neueröffnung eines Warenhauses, des ersten in über 30 Jahren, betreten wir einen neuen Abschnitt in der Karstadt- und Einzelhandelsgeschichte in Deutschland", so Fanderl weiter. Lokalität sei eine der Stärken von Karstadt. Diese Stärke werde das Unternehmen auch in Tegel mit Orientierung an der lokalen Kundschaft und in Abstimmung des Angebotes auf die weiteren Anbieter im Objekt nutzen.

Das Tegel-Center, Baujahr 1972, und die 350 Meter lange Fußgängerzone Gorkistraße werden durch die HGHI modernisiert mit dem Ziel, hier ein modernes Einkaufsquartier zu schaffen. Geplant sind 100 Geschäfte auf rund 50.000 Quadratmeter Verkaufsfläche - alles angebunden an das Berliner U- und S-Bahnnetz.