Gute Geschäfte, neue Marken, gar eine neue Filiale - und jetzt mehr Onlineaktivitäten: Karstadt entwickelt nach Jahren im Jammertal einen reglrechten Erneuerungsgeist. 

Karstadt: Noch ist vieles nicht komplett beim Warenhaus, aber es geht neuerdings voran. Foto: Gerth
Karstadt: Noch ist vieles nicht komplett beim Warenhaus, aber es geht neuerdings voran. Foto: Gerth
Der Karstadt-Eigentümer Signa Retail will künftig auch im Onlinehandel mit Textilien eine größere Rolle spielen. Das österreichische Unternehmen übernimmt deshalb das insolvente Internet-Mode-Outlet dress-for-less, wie es am Montag mitteilte. Die 260 Arbeitsplätze bei dem Onlineportal seien damit "weitestgehend gesichert", teilte Signa mit. Der "Spiegel" hatte am Wochenende zuerst über die Übernahme berichtet.

Der Karstadt-Chef und Signa-Retail-Geschäftsführer Stephan Fanderl betonte, für Signa sei die Übernahme "ein wichtiger Schritt hin zu einer Einzelhandelsgruppe, die sowohl stationär, als auch online stark aufgestellt ist". Bislang dominiert bei den Österreichern noch das von den Karstadt-Warenhäusern geprägte stationäre Geschäft. Mit dem Zukauf gewinne Signa nicht nur zusätzliche Kompetenz im Internethandel, sondern auch eine maßgeschneiderte Logistik mit einem modernen Lager-Standort, erklärte der Manager.

140 Millionen Euro Umsatz angestrebt

Es ist bereits der zweite Zukauf innerhalb weniger Monate, mit dem die Österreicher ihr Online-Standbein stärken. Erst im April hatte Signa die Mehrheit am Sportartikelportal Outfitter erworben. Zum Unternehmen gehört auch der Onlineshop karstadt.de. "Wir planen, zukünftig das Onlinegeschäft strategisch zu erweitern", betonte Fanderl. Schon im laufenden Jahr soll der Umsatz im Internet rund 140 Millionen Euro erreichen.

Die Neuerwerbung dress-for-less soll auch künftig als eigenständiges Unternehmen agieren und weiter vom bisherigen Chef Antonio Gonzalo geführt werden. Dennoch sieht Signa ein hohes Potenzial für Synergien bei Logistik und Modekompetenz im Internet. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben.

Dress-for-less wurde 1999 im hessischen Kelsterbach gegründet. Den größten Teil seines Geschäfts macht das Unternehmen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, sowie den Niederlanden. Insgesamt ist es in 13 Ländern präsent.

Karstadt ist bereit für die Expansion

Nach mehreren Eigentümerwechseln war Dress-for-less im Frühjahr in eine finanzielle Schieflage geraten und hatte im Juni Insolvenz anmelden müssen. Insolvenzverwalter Markus Plathner zeigte sich zufrieden, dass das Unternehmen schnell habe stabilisiert werden können. Damit sei die Grundlage für eine zügige Sanierung gelegt. Die Kartellbehörden und die Gläubigerversammlung müssen allerdings noch grünes Licht für die Transaktion geben.

Erst im vergangenen Monat hatte Signa-Retail-Geschäftsführer Fanderl auch bei Karstadt angekündigt, nach den von Filialschließungen und Stellenabbau geprägten Sanierungsbemühungen der vergangenen Jahre wieder auf Expansionskurs gehen zu wollen. Erstmals seit über 30 Jahren plant das Unternehmen die Eröffnung einer neuen Filiale. 
Das Warenhaus in einem Einkaufszentrum in Berlin-Tegel soll allerdings erst 2018 seine Tore öffnen.

Nur im Netz anbieten, was profitabel ist

Im Sommer 2015 hatte Karstadt bekannt gegeben, seine Online-Aktivitäten zu reduzieren. "Die meisten Händler verbrennen online Geld. Das ist nicht unsere Absicht. Wir werden nur das anbieten, was sich online auch profitabel verkaufen lässt", sagte damals E-Commerce-Chef Klaus Haensch der "Lebensmittel Zeitung", die wie Der Handel in der dfv Mediengruppe erscheint.

So wurden etwa Kinderbekleidung und Spielzeug wurden beispielsweise aus dem Sortiment gestrichen. Bei Mode wollte man sich auf Werbeartikel beschränken. "Vor allem ist im Textilbereich die Retourenquote generell so hoch, dass kaum jemand damit Geld verdient - das betrifft auch die Namhaften", so Haensch weiter. Dafür sollte das Angebot an Haushaltswaren und Elektrogeräten ausgebaut werden.