Klaus Hubert Görg will das Insolvenzverfahren von Karstadt bis zum 1. Oktober beenden. In einem Interview rechnet der Insolvenzverwalter mit Vermietern, Gewerkschaft und dem Bieter Maurizio Borletti ab.

"Ich habe die ganz große Hoffnung, dass sich die Beteiligten einigen werden, wenn sie es denn wollen", sagte der Insolvenzverwalter von Karstadt, Klaus Hubert Görg, in einem Interview mit der Zeitung "Rheinischen Merkur". Dann werde das Amtsgericht Essen den Insolvenzplan annehmen und das Verfahren zum 1. Oktober abgeschlossen sein.

Das Gericht will über den Karstadt-Insolvenzplan am 3. September entscheiden. Bei einer Billigung könnte die bereits im Frühjahr im Insolvenzplan genannte Frist für einen Abschluss des Verfahrens bis zum 30. September eingehalten werden.

Berggruen und Highstreet müssen sich noch einigen

Voraussetzung für die Annahme des Insolvenzplans ist jedoch die Einigung zwischen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen und dem Vermieter Highstreet.

Ohne eine solche Einigung bis zum 2. September über die von Berggruen geforderten Mietsenkungen kann der Anfang Juni unterzeichnete Kaufvertrag nicht in Kraft treten. Und ohne einen gültigen Kaufvertrag kann das Gericht den Insolvenzplan nicht annehmen.

Borlettis Angebot "nicht durchgehend legal und anständig"

Dem italienischen Warenhausbetreiber Maurizio Borletti erteilte der Insolvenzverwalter erneut eine Absage. "Im Moment habe ich einen Vertrag mit Herrn Berggruen. Und an einen Vertrag muss man sich halten", sagte Görg.

"Es ist im Gegenteil so, dass es nicht durchgehend als legal und anständig verstanden wird, wenn jemand wie Herr Borletti nach Ablauf einer Bieterfrist versucht, den Prozess zu behindern", betonte der Kölner Rechtsanwalt.

Borletti hatte sein Angebot für Karstadt erst nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags durch Berggruen vorgelegt. Auch die Gewerkschaft Verdi traut den Absichten des Italieners nicht.

Gewerkschaft und Vermieter erschwerten Verhandlungen

Für die Dauer des sich seit rund einem Jahr hinziehenden Insolvenzverfahrens machte Görg auch die schwierigen Verhandlungen mit den Vermietern und der Gewerkschaft Verdi verantwortlich.

"Wären Vermieter und Gewerkschaft mir damals ein bisschen entgegengekommen, hätte sich Karstadt besser verkaufen lassen. Das Insolvenzverfahren wäre längst abgeschlossen", sagte er.

Dabei habe es das Vermieter-Konsortium verstanden, "die Fristen immer weiter nach hinten zu ziehen - um mehr eigenen Handlungsspielraum zu erhalten, wie ich annehme", sagte Görg.

dpa

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