Andrew Jennings soll nun Karstadt aufmöbeln. Ohne Deutschkenntnisse, aber mit viel Vorschusslorbeeren von seinem früheren Arbeitgeber Woolworths Südafrika. Einen Verlierer gibt es bei dieser Personalie auf jeden Fall.

Streng genommen, hat Ursula von der Leyen abermals einen Erfolg für Karstadt erzielt. Die Bundesarbeitsministerin hat erst für das Überleben des Warenhauskonzerns gekämpft - jetzt streitet sie für die Rente ab 67. "Die Gewinner am Arbeitsmarkt sind die Älteren gewesen", sagt die Ministerin und Schutzpatronin des Warenhauskonzerns. So gesehen, passt der designierte Vorstandschef von Karstadt in diese veränderte Arbeitswelt.

Andrew Jennings soll ab Anfang 2011 das Warenhausunternehmen führen. Der Mann ist 62 Jahre alt, hat im vorigen Jahr Woolworths Südafrika als "Retail Director" verlassen mit dem Ziel, anderswo den letzten Fünfjahresvertrag vor seiner Rente abzuschließen. Dann würde er genau mit 67 Jahren aufhören, zu arbeiten.

Viel Respekt

Jennings? Wer ist Jennings? Und was hat das Billigkaufhaus Woolworths mit einem Unternehmen zu tun, das künftig Glamour und Bodenständigkeit in einer Warenhauswelt vereinen soll, in der selbst Kurzwaren erotisch sind, wie es der derzeitige Karstadtchef Thomas Fox diese Woche formulierte? Und wie will Einer diese Welt  beherrschen, deren Sprache er nichtmal spricht?

Was aus Südafrika von dem Mann bekannt wurde, der über 40 Jahre Einzelhandelserfahrung mitbringt, klingt spannend. Simon Susman, zuletzt CEO von Woolworths am Kap, bezeichnete Jennings einerseits als den schwierigste Mann, mit dem er je zusammengearbeitet habe. Das klingt nicht gut, ist aber respektvoll gemeint. Denn: "Was man in den Läden sieht, ist eine großartige Hinterlassenschaft von ihm. Er weiß, was Kunden wollen."

Jetzt soll der Brite aus Südafrika herausfinden, was deutsche Karstadtkunden wollen. Dafür wird er sich, mangels Deutschkenntnissen, jede Konsumprognose der GfK übersetzen lassen müssen. Und soll seinen notwendigen Stippvisiten auf der Fläche in Gummersbach, Gütersloh oder Memmingen, ein Dolmetscher beiwohnen?

Wie sich mangelhafte Sprach- und Landeskunde auf den Geschäftserfolg im Einzelhandel auswirken, hat Wal-Mart bewiesen: Der weltgrößte Einzelhändler scheiterte vor einigen Jahren grandios, seinen American Way of Retail 1:1 auf Deutschland zu übertragen.

Niederlage für Caparros

Womit man bei Alain Caparros wäre. Der Franzose führt als Vorstandschef seit 2006 die Rewe-Gruppe; was ihn auszeichnet ist unter anderem: er spricht vorzüglich die Sprache des Landes, in dem er arbeitet.

Vorige Woche wurde der Rewe-Chef zum Vorsitzenden des Karstadt-Aufsichtsrat bestimmt - dass er dieses Amt spätestens heute nicht wieder zur Verfügung stellt, verwundert. Denn innerhalb weniger Tage hat er gegen den neuen Karstadtbesitzer Nicolas Berggruen zwei heftige Niederlagen einstecken müssen: Caparros wollte offenbar einen andereren Karstadt-Chef als Jennings, und er wollte deutlich mehr Invesitionen für die Karstadtfilialen. Beides bekam er nicht.

"Ich stehe nicht für einen Schaufensterjob zur Verfügung", hatte der Franzose noch vor Amtsantritt gesagt. Nach Lage der Dinge hat er aber genau diesen Job.

Jennings hat einmal gesagt, dass man drei Jahre braucht, um eine Einzelhandelsstrategie zu entwickeln und umzusetzen. Diese Zeit hat Karstadt nicht. Spätestens 2011 muss das Unternehmen spürbare neue Akzente setzen. Ein bisschen Mode von "Manoukian" reicht nicht.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Immerhin ist die wirtschaftliche Ausgangslage von Karstadt besser, als gedacht. Denn der Noch-Chef Thomas Fox hatte ja diese Woche überraschend gute Unternehmenszahlen mitgeteilt. Und vielleicht profitiert das Warenhaus ja noch vom blendenden Weihnachtsgeschäft, das der Einzelhandel erwartet.

So gesehen, kommt Andrew Jennings zur richtigen Zeit auf die letzte große berufliche Station seines Lebens. Ursula von der Leyen wird es ähnlich sehen.