So kann man auch die Karstadt-Filialen retten: neue Investoren übernehmen die Immobilien und machen daraus schönere Häuser, vielleicht auch mit günstigeren Mieten. Von so einem Prozess profitiert nun der Standort Neumünster.

Erst Mönchengladbach, dann Dessau und nun Neumünster. Immer mehr Karstadt-Häuser, die ursprünglich geschlossen werden sollten, bleiben erhalten. Die aktuelle Wendung in der schleswig-holsteinischen Stadt Neumünster ist wie in den beiden anderen Städten einem Wechsel des Immobilieneigentümers zu verdanken. So erwarb die Sparkasse Südholstein das Areal vom bisherigen Eigner, dem internationalen Konsortium Highstreet.

Das Geldinstitut will ein neues Nutzungskonzept für das gesamte Gebäude-Ensemble erarbeiten. Das bedeutet Abriss der bisherigen Anlage und Bau eines neuen Komplexes mit Wohnungen, Einzelhandelsflächen - und Karstadt. Die Sparkasse will dieses Areal ebenfalls nutzen.

Jetzt will Karstadt auch den Standort Neumünster sanieren

Karstadt sieht durch die neue Eigentümerstruktur, die möglicherweise eine attraktivere Miete oder eine kleinere und damit billigere Fläche beinhaltet, bessere Chancen für den Standort Neumünster. "Wir werden umgehend unser erfolgreich laufendes Sanierungsprogramm 'Fokus' auch hier am Standort ausrollen", sagte Stephan Fanderl, Geschäftsführer des Warenhausunternehmens. "Ich bin sicher, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur erleichtert sein werden, dass ihre Filiale erhalten werden kann, sondern auch sofort mit den neuen Prozessen arbeiten können."

Karstadt konnte im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 erstmals seit Jahren wieder Geld über die Ladenkasse erwirtschaften und die Filialergebnisse nach eigenen Angaben um über 60 Prozent verbessern. "Wir arbeiten hart daran, jede einzelne Filiale zu drehen", betonte Fanderl weiter.

Karstadt Bottrop wird ein Einkaufspark

Von der im Mai dieses Jahres verkündeten Schließungsliste von Karstadt bleiben nun noch Recklinghausen und Bottrop übrig. In Bottrop soll Ende Februar 2016 der Verkauf beendet werden. Ab März wird das Gebäude vom Eigner Devello Immobilien AG zu einem Einkaufspark neu entwickelt.

Nachdem feststeht, dass ein Hotel der Kette "Best Western" einziehen wird, gebe es auch intensive Gespräche mit den Handelsunternehmen Rossmann, Adler und TK Maxx, einem Lebensmittelhändler sowie dem Restpostenhändler Jawoll, wie es von Devello heißt. Eröffnung des Einkaufsparks soll Anfang 2017 sein.

Recklinghausen will es wie Mönchengladbach machen

In Recklinghausen versucht die Stadt ähnlich wie in Mönchengladbach das Karstadt-Haus zu retten. So erging vor einiger Zeit an das Warenhausunternehmen das Angebot, das zu Karstadt gehörende Bettenhaus mit 1.700 Quadratmeter Fläche zu erwerben. Die Verkaufsfläche der Warenhausfiliale würde so auf etwa 12.000 Quadratmeter schrumpfen. Über eine Entscheidung ist noch nichts bekannt.

In Mönchengladbach wurde Karstadt gerettet, weil die Entwicklungsgesellschaft der Stadt das Haus für einen mittleren Millionenbetrag vom bisherigen Eigentümer Highstreet übernommen hat und neu gestaltet. Ein Teil der bislang von Karstadt genutzten Fläche kanns so künftig an andere Händler vermietet werden.