Investor Berggruen zahlt für Karstadt nur einen symbolischen Preis, gleiches hätte für die anderen Bieter gegolten. Die Mietverhandlungen bleiben aber zäh - nun soll die Bundesregierung vermitteln.

Der Karstadt-Investor Nicolas Berggruen wird seinem Kaufangebot zufolge nur einen Euro für den Warenhauskonzern an den Insolvenzverwalter zahlen. Ein Berggruen-Sprecher bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag einen entsprechenden Bericht der "Bild am Sonntag" und sprach von einem "völlig normalen Vorgehen".

Sobald der Kaufvertrag in Kraft tritt, investiert der Milliardär aber rund 65 Millionen Euro in den Konzern mit 120 Warenhäusern und 25.000 Mitarbeitern, um den Geschäftsbetrieb zu sichern.

Für die Namensrechte der Traditionsmarke Karstadt müsste Berggruen dem bestätigten Zeitungsbericht zufolge weitere fünf Millionen Euro zahlen. Auch die anderen Bieter sollen für die Kette lediglich einen Euro als Kaufpreis angeboten haben.

"Aufstehen für Deutschland und Karstadt"

Anfang Juni hatte Berggruen den Zuschlag für Karstadt erhalten, den Kaufvertrag aber nur unter Vorbehalt abgeschlossen. Er fordert deutliche Mietsenkungen und Änderungen in den Mietverträgen vom Karstadt-Hauptvermieter, dem Konsortium Highstreet. Aber auch nach fast vierwöchigen Verhandlungen ist dazu noch keine Einigung gelungen - und damit ist die Rettung der Warenhauskette noch immer nicht gesichert.

Nachdem Berggruen in der vorigen Woche von Highstreet die Einberufung einer neuen Sitzung des Gläubigerausschusses gefordert hat, bittet er nun an anderen Stelle um Unterstützung. Die Politik soll die Verhandlungen wieder voranbringen. Berggruen forderte im "Handelsblatt" die Bundespolitiker auf, sich einzumischen. "Wir wollen, wenn es nicht weitergeht, in den nächsten Tagen die deutsche Regierung ansprechen, damit sie als Vermittler auf die Verantwortlichen einwirkt. Auch sie sollte ein Interesse daran haben, Karstadt zu retten", sagte der Investor der Zeitung.

Es stünden 25.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. "Es muss jemand für Deutschland und Karstadt aufstehen. Das kann am Ende des Tages nur die Politik sein. Wir haben unseren Teil getan. Wir verlangen keine finanzielle Hilfe. Aber das Pokerspiel muss aufhören", forderte der Deutsch-Amerikaner.

Reden mit von der Leyen und Brüderle

Berggruen ist laut "Handelsblatt" bereits mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle im Gespräch. Beide sollen ihren Einfluss auf Alexander Dibelius, dem Deutschlandchef der Bank Goldman Sachs sowie Josef Ackermann (Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank) geltend machen. Beide Banken spielen bei Highstreet wichtige Rollen.


Brüderle allerdings will den Staat aus der Karstadt-Rettung heraushalten. Der FDP-Politiker gehe davon aus, dass die beteiligten Unternehmen ihre Verhandlungen alleine und erfolgreich führen könnten, sagte seine Sprecherin Beatrix Brodkorb am heute in Berlin.

Keine Staatshilfen

Vor ein paar Tagen hatte Berggruen mit Brüderle telefoniert und ausgelotet, wie die Politik Einfluss nehmen könne. Der Minister habe in dem Gespräch deutlich gemacht, dass Staatshilfen für Karstadt nicht infrage kämen. "Das ist keine Angelegenheit des Staates", sagte Brodkorb. Brüderle hoffe, dass die Verhandlungen schnellstmöglich erfolgreich abgeschlossen werden könnten.

Vor einigen Tagen hatte von der Leyen in Berlin davon gesprochen, dass bei der Rettung des Warenhauses wichtige Schritte vollzogen seien. "Ich habe begründete Hoffnung, dass Karstadt eine faire Chance bekommt, weiter zu machen und einen Neuanfang zu schaffen", sagte von der Leyen - und fügte an, dass Berggruen und das Highstreet sich über die Mietkonditionen geeinigt hätten.

Die Ministerin fungiert seit Wochen als Vermittlerin zwischen den Verhandlungspartnern.
 
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Eine Bildergalerie zur Geschichte von Karstadt finden Sie hier.