Die Tarifpause hatte das Karstadt-Personal hart getroffen. Nun aber dürfen die Mitarbeiter auf erhöhte Bezüge hoffen - sollten sich die wirtschaftliche Situation verbessern.

Karstadt-Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz macht den Beschäftigten des Warenhauskonzerns Hoffnungen auf Gehaltssteigerungen. "Unser Plan sieht zwar weiterhin eine Tarifpause bis 2016 vor - allerdings mit einer Öffnungsklausel: Zieht die Wirtschaft überraschend wieder an, werden wir auch die Löhne in diesem Zeitraum stufenweise anheben", sagte Weitz der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".

Vollständig in den Tarifvertrag zurückkehren würde man dann 2016, "und das hieße dann auch rückwirkende Zahlung aller tariflichen Lohnerhöhungen", versicherte der Karstadt-Manager.

Das Unternehmen war im Mai aus der Tarifbindung ausgestiegen und hatte damit heftigen Protest der Gewerkschaft Verdi ausgelöst. In den nächsten beiden Wochen soll es neue Gespräche geben. "Bis zur ersten Oktoberwoche sind mehrere Gesprächsrunden vereinbart worden. Danach soll das Paket dann auch fest geschnürt sein", skizzierte Weitz den Zeitplan der Verhandlungen.

Zuletzt hatte der Vorsitzende des Karstadt-Gesamtbetriebsrates, Hellmut Patzelt, davon gesprochen, bis Ende Oktober eine Lösung im Streit um die Tarifpause zu präsentieren.

Beschäftigte haben Verständnis - sagt der Arbeitsdirektor

Die derzeitige Tarifpause trifft laut Weitz auch die leitenden Angestellten: "Da gilt das Prinzip ,einheitliche Belegschaft'. Das heißt: Wenn es für die Beschäftigten keine Lohnerhöhungen gibt, dann auch nicht für die Führung", sagte der Personalchef, der betonte, dass er das Gefühl habe, die Karstadt-Mitarbeiter würden verstehen, warum sie einen Sparbeitrag leisten müssen. "Das sind alles Kaufleute. Der Umbau geht auch überhaupt nicht ohne die Beschäftigten."

Sollte Karstadt aber wegen der Wetterkapriolen bei den Textilien nicht die gewünschten Umsätze erzielen, dann werde man in den anderen Bereichen nachsteuern, kündigte Weitz an. "Mit unseren Restaurants, unserer Feinkostabteilung im Keller haben wir starke Kundenmagnete, die Erschütterungen auf dem Modemarkt abfedern können. Gleiches gilt für unsere Sportartikel."

Auf die Frage, ob Karstadt genug investieren würde, antwortete der Arbeitsdirektor: "Wir werden bis 2015 rund eine Milliarde Euro investieren. Das ist ein Prozess. Nicht zuletzt, weil es betriebswirtschaftliche nicht sinnvoll und auch nicht machbar ist, alle Häuser gleichzeitig zu modernisieren."

Anmerkung der Redaktion: In der gestrigen Version des Interviews hatte Waitz geantwortet: "Wir haben eine Milliarde Euro in die Modernisierung der 86 Karstadt-Häuser gesteckt. Das ist ein Prozess gewesen, weil man nicht in allen Häusern gleichzeitig alles sanieren kann." Diese Passage wurde nachträglich von der "Rheinischen Post" geändert.