Es spricht nicht für ein Unternehmen, wenn es seine Lieferanten um längere Zahlungsziele bittet. Laut einem Medienbericht soll Karstadt einen entsprechenden Brief verschickt haben.

Die aktuellen Meldungen über Karstadt klangen eigentlich gut. Viele Geschäftsführer von Filialen sprachen von guten Weihnachtsgeschäften, aber mehr noch beeindruckte das operative Ergebnis in Höhe von 103 Millionen Euro zum Ende des Geschäftsjahres 2010/2011. Das bedeutete nämlich ein Plus von zehn Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.

Doch nun überrrascht eine Nachricht aus dem Warenhauskonzern. Der "Textilwirtschaft", einer Schwesterpublikation von "Der Handel", liegt ein Schreiben von Karstadt-Geschäftsführer Andrew Jennings und seinem Finanzchef Harald Fraszczak vor, in dem beide noch vor Weihnachten bei ihren Lieferanten um eine dreißigtägige Verlängerung der Zahlungsziele bitten. Durch diese Umstellung solle das Zahlungsziel an "marktübliches Niveau" angepasst werden.

Was ist marktüblich?

"Sollten wir bis zum 20.1.2012 nichts von Ihnen hören, gehen wir davon aus, dass Sie unserem Wunsch entsprechen und der neuen Regelung zustimmen", zitiert die "Textilwirtschaft" aus dem Schreiben.

Das Blatt zitiert zudem einen nicht genannten Lieferanten, der davon spricht, dass mittelständische Betriebe eingeschüchtert und zur Zustimmung veranlasst werden sollten. "Das marktübliche Niveau würde erheblich überschritten werden", so der Unternehmer.

Ein Karstadt-Sprecher betonte allerdings, dass der Warenhauskonzern kein Liquiditätsproblem habe, allerdings im Rahmen der Strategie 2015 nach Optimierungsmöglichkeiten in allen Unternehmensbereichen suche. derhandel.de erfuhr aus leitenden Unternehmenskreisen, dass bei Karstadt derzeit sehr viel Positives passiere. "Man merkt, dass mit Jennings endlich wieder ein Handelsfachmann an der Spitze steht." Die Verlängerung der Zahlungsziele gehöre eben auch zur Aufarbeitung der Unternehmensvergangenheit.

Im August dieses Jahres endet der dreijährige Sanierungstarifvertrag des Unternehmens mit den Beschäftigten. Ab dann fallen bei Karstadt zusätzliche 50 Millionen Euro Personalkosten an.