Vom personellen Erneuerungsprogramm in der Karstadt-Führung ist nun auch der bisherige Einkaufschef betroffen. Derweil lobt der Finanzchef die neue Wirtschaftskraft des Warenhauskonzerns.

Und wieder heißt es bei Karstadt: Der Nächste, bitte. Das Unternehmen trennte sich von Marco Schöner und sucht einen neuen Einkaufschef. Der Brite Patrick Hanly übernimmt interimsmäßig die Aufgaben von Schöner, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Hanly wird langjährige Einzelhandelserfahrung zugesprochen. Eine seiner beruflichen Stationen war das britische Warenhaus Debenhams, wo auch Karstadt-Chef Andrew Jennings (ebenfalls Brite) schon mal tätig war.

Harald Fraszczak, seit etwa einem halben Jahr Finanzchef von Karstadt, sagte ebenfalls in der "Süddeutschen Zeitung", dass der Warenhauskonzern bei Umsatz und Ertrag auf einem guten Weg sei. Zahlen nannte er freilich nicht, "weil wir ein privates Unternehmen sind".

Investitionen "nicht zu niedrig"

Immerhin betonte Fraszczak mit Rückblick aufs dritte Quartal: "Bei uns lief es wesentlich besser als bei Wettbewerbern, von denen wir die Zahlen kennen. Wir haben deutlich Marktanteile gewonnen." Der Umsatz von Galeria Kaufhof war im selben Zeitraum um 7,4 Prozent eingebrochen.

Fraszczak beschrieb die finanzielle Lage von Karstadt mit "sehr gut". Die Gründe dafür seien nicht nur die guten Geschäfte, sondern Einsparungen in den Bereichen IT und Logistik. Zudem steuere das Unternehmen nun seine Finanzströme in Eigenregie.

Lieferanten wiederum hätten neues Vertrauen zu Karstadt gefasst, weswegen deren Zahlungsziele wieder großzügiger ausfallen. "Wir haben eine gutes Kredit-Rating. Das verschafft uns viel Luft."

Unverändert werde der Warenhauskonzern seine Investitionen (400 Millionen Euro) aus dem Cashflow bestreiten. Dieser Betrag sei keineswegs zu niedrig, betonte der Finanzchef.

"Viele Häuser sind in einem guten Zustand, also entweder neu oder vor relativ kurzer Zeit teilweise aufwendig saniert worden. Da muss nicht viel gemacht werden", sagte Fraszczak. "Und wenn wir investieren, dann nur dort, wo der Kunde das auch honoriert. Das war früher anders. Da war auch schon einmal eine Fluttreppe aus Marmor."

In diesem Jahr sind 22 Filialen umgebaut worden, 2012 sollen 40 weitere Häuser modernisiert werden.

Gute Filialen haben ihre Chancen

Etwas unklar bleibt Fraszczak bei der Einschätzung, ob nach Auslaufen des Sanierungstarifvertrags Ende 2012 Filialen geschlossen werden. Schließlich muss das Unternehmen ab diesem Zeitpunkt 50 Millionen Euro mehr für Personalkosten aufwenden.

Diese Kosten zu erwirtschaften, sei kein Problem, betonte der Finanzchef. Und zur Zukunft der Standorte sagte er: "Jede Filiale, die gut läuft, hat eine Chance."