Die Sanierung von Karstadt ist schmerzvoll, wieder sollen fünf Häuser schließen. Ein Schlag vor allem für die Beschäftigten, mehr als 540 Mitarbeiter sind nach Angaben von Verdi betroffen. Ein Schlag aber auch für die Städte.

Die Karte mit den Karstadt-Filialen in Deutschland wird immer übersichtlicher. Früher war Karstadt in vielen, vor allem mittelgroßen und kleineren Städten oft der Mittelpunkt der Fußgängerzonen - die Zeiten sind vorbei. Denn die angeschlagene Warenhauskette schrumpft weiter. 83 klassische Warenhäuser betreibt Karstadt derzeit - noch. Denn nun soll es die Filialen in fünf Städten treffen. 2016 droht den Warenhäusern in Bottrop, Recklinghausen, Mönchengladbach (alle Nordrhein-Westfalen), Dessau (Sachsen-Anhalt) und Neumünster (Schleswig-Holstein) das Aus.

In der heutigen Pressemitteilung des Konzerns las sich das so: "Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung dieser Standorte ist nicht nur seit Jahren negativ und belastet damit die Gesundung des Gesamtunternehmens und aller übrigen Filialen, diese Standorte haben, insbesondere aufgrund von erheblichen lokalen Nachteilen und struktureller Standortgegebenheiten, trotz aller Bemühungen der letzten Monate, keine Zukunftsperspektive."

"Katastrophe", "Schock", "bitterer Tag", "finster" - so und ähnlich reagierten Arbeitnehmervertreter, die betroffenen Städte und auch Kunden auf die Hiobsbotschaft aus Essen.

Nachricht verbreitet sich schnell

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in Dessau die Nachricht vom Aus für die dortige Filiale. "So geht man heutzutage mit den Leuten um", sagte eine Karstadt-Verkäuferin. Sie habe die schlechte Nachricht aus dem Radio erfahren. "Das wird ganz finster für Dessau", meinte eine
63 Jahre alte Kundin. Und der Leiter der Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer Dessau, Manfred Piotrowsky, sagt: "Die Schließung wird die Einkaufsattraktivität von Dessau-Roßlau schmälern." Es sei fraglich, ob das auszugleichen sei.

Auch in Bottrop ist die Aufregung groß. "Ganz schlimm! Dass die sowas machen können. Ich hab schon geheult", sagte die 75-jährige Stammkundin Gunhilde de Kok. Und die 37-jährige Kundin Jenny Martin meinte, wenn das Traditionswarenhaus schließen müsse, sei das für sie sogar ein Grund wegzuziehen. "Dann ist hier nur noch tote Hose." Direkt gegenüber vom Karstadt-Haupteingang ist die Eisdiele von Ella Dellalic. "Natürlich kommen auch viele Kunden zu uns zum Kaffeetrinken und Eisessen. Ich weiß schon aus Dortmund, was der Wegfall von so einem großen Kaufhaus für die Innenstadt bedeutet."

In Neumünster soll es eine der ältesten Karstadt-Filialen treffen - im 126. Jahr ihres Bestehens, wie die Industrie- und Handelskammer "mit großem Bedauern" mitteilte. Die Stadt müsse sich nun Gedanken über Konzepte für eine Nutzung des Karstadt-Areals machen.

Kommunen gefragt

Genau das wird nun die Hauptaufgabe der betroffenen Kommunen sein - noch dazu, weil die Einzelhändler in den Innenstädten ohnehin mit der Konkurrenz durch riesige Einkaufscenter in den Städten oder auf der grünen Wiese zu kämpfen haben. Genau darauf verwies auch das Karstadt-Management. Die fünf Filialen hätten keine "strategische Perspektive" mehr gehabt, sagte Karstadt-Chef Stephan Fanderl. "Zu den gravierendsten Nachteilen gehören steigender Wettbewerbsdruck durch teils innerstädtische Einkaufscenter und die negative Bevölkerungs- und/oder Kaufkraftentwicklung der Städte. In den meisten Fällen stehen dem keine Initiativen der Städte oder Wirtschaftsförderungsgesellschaften zur Verbesserung des innerstädtischen Handels gegenüber, so dass ein nachhaltiger Turnaround unmöglich wird."

Die Vermutung der Gewerkschaft Verdi ist eine andere: Dem neuen Karstadt-Eigentümer, dem österreichischen Immobilieninvestor René Benko, gehe es vor allem darum, die Immobilien zu verwerten.

Kampflos wollen die Betroffenen das Aus für die Filialen nicht hinnehmen. Die Stadt Mönchengladbach kündigte an, über einen Kauf der Karstadt-Immobilie durch die städtische Tochter EWMG nachzudenken - denkbar wäre dann eine Vermietung der Immobilie an Karstadt.