Im Tarifstreit bei Karstadt hat die Zeit der taktischen Spielchen begonnen. Die Unternehmensführung hält jedenfalls das Gesprächsangebot der Gewerkschaft für kein solches - und beharrt auf ihrer Position.

Im Tarifkonflikt um den Warenhauskonzern Karstadt ist keine Lösung in Sicht. Wenige Tage nachdem der Gesamtbetriebsrat Verdi und die Geschäftsführung zu Verhandlungen aufgefordert hatte, bekräftigten am Freitag beide Seiten ihre Positionen. Unklar blieb, ob in der neuen Woche weitere Streikaufrufe geplant sind.

"Verdi steht nach wie vor für Verhandlungen bereit", sagte eine Sprecherin. Sie verwies darauf, dass Verdi die regionalen Karstadt-Geschäftsführungen des 20.000 Mitarbeiter zählenden Konzerns zu Verhandlungen über einen Anerkennungstarifvertrag aufgefordert hatte. Ziel sei die Tarifbindung.

Ziel: Langfristige Gesundung des Unternehmens

Karstadt-Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz erklärte, Verdi habe mehrfach deutlich gemacht, nicht über eine "Tarifpause" sprechen zu wollen. Eine Alternative zur langfristigen Gesundung des Unternehmens gebe es nicht, da man keinen weiteren Stellenabbau wolle. "Deshalb bewerten wir ein Gesprächsangebot, das nicht ergebnisoffen ist, als taktisches Manöver", unterstrich er.

Der Warenhauskonzern will mit einer zweijährigen "Tarifpause" drohende Mehrbelastungen in Millionenhöhe abwenden. Das Essener Unternehmen wechselte im Mai in den regionalen Arbeitgeberverbänden in die Verbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung. Damit verabschiedete sich ein großer Arbeitgeber aus den Tarifrunden im Einzelhandel, noch ehe sie richtig begonnen hatten.