Der "Hurricane" spricht: Neue Marken, jüngere Kunden, besseres Personal - so stellt sich Karstadt-Chef Andrew Jennings die Zukunft des Warenhauskonzerns vor. Warum die Vergangenheit schlecht lief, weiß er auch.

Es geht um Einzigartigkeit, um moderne Filialen für moderne Kunden und sogar darum, dass sich die Konkurrenz an Karstadt messen soll: Andrew Jennings schlägt den ganz großen Bogen, um seine Pläne für die Modernisierung des Warenhauskonzerns zu beschreiben.

"Wir wollen unser Profil schärfen, unser Sortiment und unsere Fähigkeiten", sagt der neue Karstadt-Chef im Interview mit der Fachzeitschrift "Textilwirtschaft".

Um herauszufinden, wie das funktionieren soll, muss man die vielen Sprachgirlanden des Briten beiseite schieben, um an das Wesentliche zu gelangen. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Karstadt steht vor einer gewaltigen Veränderung, die aber enorm viel Zeit in Anspruch nehmen dürfte. Es wird quasi eine Revolution mit langem Atem.

Weniger Multimedia, mehr Mode

"Strategie 2015" heißt das Programm, mit dem Karstadt erneuert werden soll. In den nächsten 18 bis 24 Monaten sollen die ersten Umsetzungen sichtbar sein, kündigt Jennings an.

Beim Umbau von 60 Filialen in den nächsten vier Jahren (davon 22 in diesem Jahr) "werden wir beispielsweise Multimedia-Abteilungen verkleinern und dafür mehr Mode anbieten", sagt der Karstadt-Chef.

Mehr Mode soll auch mehr Marken bedeuten: "Wir werden in den nächsten 18 Monaten über 20 neue, internationale Marken exklusiv in Deutschland haben", kündigt Jennings an.

Immer wieder spricht er im Interview von modernen Kunden , die Karstadt erreichen will, weswegen auch einige bisherige Marken wegfallen sollen. Was die Kunden wollen, soll in einem Programm zu deren Segmentierung herausgefunden werden. Dieses Programm orierentiere sich am Lebensstil der Konsumenten.

Festhalten will Karstadt an der bisherigen Zahl der Filialen. "Wir haben überhaupt keine Schließungspläne", versichert der Chef. "Wir wollen das Unternehmen so ausrichten, dass es in noch einmal 130 Jahren noch am Markt ist." Karstadt feiert im Herbst sein 130-jähriges Bestehen.

Alle Häuser profitabel? Weiß man nicht so genau

Nur undeutlich antwortete Jennings hingegen auf die Frage zur Profitabilität aller Häuser. "Karstadt ist auf einem guten Weg", sagt er lediglich. Jennings betont, dass dem Unternehmen auch das Ende des Sanierungstarifvertrages keine Sorgen bereiten würde.

Ab dem Jahr 2012 fallen 50 Millionen Euro höhere Personalkosten an. Doch beim Mitarbeiter will Karstadt offenbar wirklich nicht sparen. So werde eine "Retail Academy" eingerichtet, "um unsere Mitarbeiter bestmöglich zu trainieren". 

Als "alternativlos" für die Zukunftsfähigkeit von Karstadt bezeichnet Jennings im TW-Interview die Aufteilung des Konzerns in die drei Bereiche Warenhaus, Premium und Sport. "Wenn wir eines Tages weiter in die Expansion gehen, dann geht das besser. Vielleicht werden wir internationale Joint Ventures eingehen, dann ist das ebenfalls leichter."

Bis zu zehn neue Sporthäuser geplant

Die Premium-Gruppe (mit den Häusern Alsterhaus, KaDeWe, Oberpollinger) bezeichnet Jennings als "Sahne auf dem Kuchen". Für diesen Bereich gebe es ein "grundsätzliches Interesse", diesen zu erweitern, wenn "wir geeignete Häuser finden", sagte der der Deutschen Presseagentur. Das könnte auch im Ausland sein.

"Auch im Bereich Sports sehe ich große Chancen für eine Expansion. Wir suchen bereits nach geeigneten Objekten. Geplant ist die Eröffnung von acht bis zehn neuen Sporthäusern in den nächsten drei bis vier Jahren."

"Ich lebe Handel"

"Durchstarten" soll Karstadt im nächsten Jahr auch beim Multichannel-Geschäft, für das derzeit der Onlineauftritt überarbeitet werde.

Keine Rolle dagegen spielt für Jennings offenbar die immer wieder diskutierte Fusion mit dem Konkurrenten Kaufhof.  "Karstadt hat eine gute Zukunft als Warenhausgruppe mit drei Formaten", betont der Geschäftsführer.

Warum die Vergangenheit so schlecht lief, und die Zukunft großartig sein wird, weiß der Brite mit dem Spitzenamen "The Hurricane" auch: "Karstadt hatte in den vergangenen Jahren keinen Retailer an der Spitze. Ich bin Retailer. Ich denke Handel, ich lebe Handel."