Selbst das Essener Amtsgericht stöhnt mittlerweile unter der Last des Karstadt-Verfahrens. Drei Richter kümmern sich um das insolvente Warenhaus - wie lange noch, weiß niemand. Aber das Gericht mahnt bereits.

Das Ringen um Karstadt nimmt kein Ende. "Das hat es so noch nicht gegeben", ist sich der Sprecher des Essener Amtsgerichts, Gerd Richter, sicher. Zum vierten Mal könnte die Justizbehörde am Dienstag einer weiteren Verlängerung in dem gewaltigen Verfahren um die Zukunft der Essener Warenhauskette zustimmen.

Immer neue Hindernisse mussten auf dem Weg zur Rettung des Unternehmens mit 120 Warenhausstandorten und 25.000 Beschäftigten aus dem Weg geräumt werden. Nun könnte es nach Einschätzung von Beobachtern vielleicht erst Anfang September zu einer endgültigen Einigung in dem Dauerstreit kommen. Sicher kann sich da mittlerweile niemand mehr sein.

Aktenberge im "100-Seiten-Format"

Drei Richter und vier Rechtspfleger kämpften sich am Essener Amtsgericht seit Monaten durch Aktenberge im "100-Seiten-Format", hieß es. Angefangen hat das ungewöhnliche Verfahren mit Insolvenzanträgen der Karstadt-Mutter Arcandor und und ihrer beiden Tochterunternehmen Karstadt und Quelle vor 14 Monaten.

Während es für den Versandhändler Quelle und die Muttergesellschaft keine Rettung mehr gab, sind die Bemühungen um eine Karstadt-Zukunft seitdem in vollem Gange.

Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. September vergangenen Jahres hatten die Gläubiger bereits im November ihr Einverständnis für den Verkauf von Karstadt an einen Investor gegeben. Doch die zunächst auf Ende April terminierte Suche nach einem Interessenten gestaltete sich schwierig, sodass ein zunächst auf den 31. Mai angesetzter Gerichtstermin auf den 10. Juni verschoben wurde.

Dutzende Gläubiger

Doch auch nach der Unterschrift des in einem Bieterwettbewerb gekürten Investors Nicolas Berggruen unter den Kaufvertrag am 9. Juni wurde schnell klar, dass bis zu einer abschließenden Einigung noch ein langer Weg ist. Der Gerichtstermin wurde vom 10. Juni auf den 16. Juli verschoben.

Doch die von Berggruen geforderten Mietsenkungen erwiesen sich als keineswegs einfach duchzusetzen. Der Immobilienfonds Highstreet, dem selbst als Bieter in dem Karstadt-Verfahren der Zuschlag versagt worden war, erwies sich als zäher Verhandlungspartner.

Zudem müssen Dutzende von Gläubigern, die Highstreet für den Kauf der Karstadt-Immobilien viel Geld geliehen haben (allen voran die Valovis-Bank mit 850 Millionen Euro), einer Einigung zustimmen. Am 16. Juli wurde der Gerichtstermin also noch mal auf den 10. August verschoben.

Erst die Mieten, dann der Kaufvertrag

Trotz einer grundsätzlichen Einigung über Mietsenkungen steht eine abschließende Zustimmung aller Highstreet-Gläubiger noch aus. Mit einer Frist von 21 Tagen müsste dafür zu einem Gläubigertreffen eingeladen werden. Ohne Einigung über die geforderten Mietkürzungen tritt der Kaufvertrag nicht in Kraft. Und ohne gültigen Kaufvertrag kann der Insolvenzplan nicht abgesegnet werden.

Ein Ausweg wäre eine weitere Verlängerung des Gerichtstermins. Aber nur, wenn noch Aussicht auf eine Einigung besteht, betonte ein Gerichtssprecher.

Sollte der Kaufvertrag am Ende dennoch platzen, könnte der italienische Warenhaus-Betreiber Maurizio Borletti zum Zuge kommen. Der Unternehmer, der mit rund 2 Prozent an Highstreet beteiligt ist, hatte bereits Ende Juli ein eigenes Angebot für Karstadt vorgelegt.

100 Millionen Euro für Karstadt

Zusammen mit dem US-Investor Gordon Brothers will Borletti 100 Millionen Euro in Karstadt investieren und verspricht, weder bei den Arbeitnehmern noch bei den Vermietern nachbessern zu müssen.

Beim Insolvenzverwalter biss der italienische Kaufhauskönig jedoch bislang auf Granit. Klaus Hubert Görg sieht sich rechtlich an den Vertrag mit Berggruen gebunden. Aufgeben will Borletti dennoch nicht. "Wir arbeiten einseitig weiter, damit wir bis Anfang September ein schlüsselfertiges Angebot vorlegen können", sagte eine Sprecherin Borlettis. Will heißen: Platzt der Verkauf an Berggruen, steht Borletti sofort bereit.

Aber auch andere scharren schon mit den Füßen. Metro-Chef Eckhard Cordes, der schon lange von einem Zusammengehen von Karstadt mit seiner Tochter Kaufhof träumt, sieht sich ebenfalls noch nicht komplett aus dem Rennen.