Zeitgleich mit der Karstadt-Kaufofferte von Highstreet bietet Metro seine Tochter Kaufhof feil. Zufall ist das nicht. Die Verschmelzung beider Häuser nimmt Formen an. Der große Hintermann ist ein Italiener.

Derzeit wird über Highstreet, Triton oder Nicolas Berggruen gesprochen. Alle drei Unternehmen wollen Karstadt kaufen. Über Maurizio Borletti spricht noch niemand. Doch möglicherweise ist der Italiener ein maßgeblicher Mann in diesem Bieterwettbewerb - der seinetwegen zugunsten von Highstreet entschieden werden könnte.

Highstreet besitzt die Mehrzahl der Karstadt-Immobilien. Hinter dem Gremium steht die Investmentbank Goldman Sachs, die eine Mehrheit besitzt. Weitere Partner sind die Deutsche Bank und die italienischen Unternehmen Generali, Pirelli - und Borletti.

"Kathedralen des Luxus"

Der Italiener ist bisher der einzige aus dem Bieterkreis, der Warenhaus-Erfahrung mitbringt. Ihm gehören die italienische Ketten La Rinascente und Upim sowie das französischen Kaufhaus Printemps. Der erst 43 Jahre alte Geschäftsmann hatte sich einst vorgenommen, die 13 Häuser von La Rinascente zu "Kathedralen des Luxus" zu machen. Die Upim-Warenhäuser haben 150 Filialen.

Im Jahr 2008 hatte Borletti sich erstmals für Kaufhof interessiert - und damit auch die Fantasien für einen Zusammenschluss mit Karstadt beflügelt. Schon damals soll Goldman Sachs an einer Fusion beider Warenhäuser gearbeitet haben.

"Wir kennen den deutschen Markt gut und glauben, dass es interessante Möglichkeiten der Konsolidierung auf diesem Markt gibt - aber auch, dass Deutschland einer der schwierigsten Märkte im Einzelhandels-Sektor ist", sagte Borletti einmal dem "Handelsblatt".

Er versicherte an selber Stelle, dass "Kaufhof sehr stark davon profitieren könnte, aus einer Gruppe wie Metro herausgelöst zu werden, in dem es keine Priorität darstellt und in der daher richtigerweise nicht die nötigen Investitionen getätigt werden".

Vedder zieht zurück

Seit heute ist Highstreet offizieller Bieter für Karstadt - und seit heute lässt der Handelskonzern Metro mehrere Interessenten in die Bücher der Konzerntochter Kaufhof schauen lassen. "Die Interessenten sind mit ihren Einblick in unseren Datenräumen im wesentlichen fertig", sagte ein Metro-Sprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Dem Vernehmen nach sind die potenziellen Investoren für Kaufhof gebeten worden, bis zum 7. Juni zu signalisieren, wie ernsthaft das Interesse ist und wie es mit der Übernahme-Finanzierung aussieht. Der Termin sei aber keine harte Frist zur Abgabe eines Angebotes.

Zuvor hatte die "Lebensmittel Zeitung" berichtet, dass die potenziellen Investoren für Kaufhof bis zum 7. Juni Angebote vorlegen sollen und an diesem Tag die Bieterfrist endet. Nach Informationen des Fachblatts sind unter anderem die Finanzinvestoren Permira, Apollo und Blackstone im Rennen um die Warenhauskette.

Dieses Trio interessierten sich auch schon für die Karstadtbücher - allerdings ohne Konsequenzen. Die Goldsmith-Gruppe um Clemens Vedder hatte am vergangenen Mittwoch bekanntgeben, dass sie sich aus dem Bieterverfahren für Kaufhof verabschiede.

Der Immobilien-Schatz

Metro-Konzernchef Cordes hatte Anfang Mai erklärt, ein angemessener Preis für Galeria Kaufhof liege derzeit bei zwei bis drei Milliarden Euro. Wann es zum Verkauf komme, hänge vor allem von den Finanzierungsmöglichkeiten für potenzielle Investoren an den Kapitalmärkten ab.

Größter "Schatz" des Kaufhofs sind die Immobilien, von denen sich etwa die Hälfte im Metro-Besitz befinden. Cordes hatte die Kölner Konzerntochter, die 140 Warenhäuser in Deutschland und Belgien betreibt und 25.000 Mitarbeiter beschäftigt, schon vor 2008 auf die Verkaufsliste gesetzt. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern haben die Interessenten für Kaufhof auch die insolvente Warenhauskette Karstadt im Blick.

Und immer wieder Borletti

Bereits vor einem Jahr, als sich die Lage bei Karstadt zuspitzte, wurde über ein Zusammengehen von Karstadt und Kaufhof in einer Deutschen Warenhaus AG diskutiert. Die Metro hatte aber damals und auch später nur Interesse an einem Teil der 90 Karstadt-Warenhäuser signalisiert. Der Vorstand der Karstadt-Mutter Arcandor und später auch der Insolvenzverwalter wollten Karstadt aber nicht aufteilen.

Wenn Interessenten demnächst für den Kaufhof Angebote vorlegen, hat Cordes nach Ansicht von Beobachtern Optionen in verschiedene Richtungen: Er könnte Kaufhof direkt an einen Investor verkaufen oder mit ihm zusammen auf einen neuen Karstadt-Eigentümer zugehen, um doch noch Kaufhof- und Karstadt-Filialen unter ein Dach zu bringen.

Egal wie es ausgeht - bei jedem Szenario könnte Maurizio Borletti dabei sein.