"Arcandors Absturz" heißt das Buch des Journalisten Hagen Seidel, in dem er den Niedergang des Konzerns beschreibt. Das 300-Seiten-Werk ist die Chronologie eines gewaltigen Versagens.

Wieviele Artikel Hagen Seidel über Karstadt geschrieben hat, weiß er selber nicht mehr. Mindestens 200 werden es sein. Das Unternehmen "war mein journalistischer Hauptkunde", sagt er.

Und wer als Journalist jahrelang über Karstadt und Arcandor recherchiert und schreibt, den drängt es irgendwann, alles zusammenzufassen zu einem Buch. Das hat Seidel nun gemacht.

Aus der Arbeit des Wirtschaftsredakteurs der Tageszeitung "Die Welt" ist ein 300 Seiten starkes Werk geworden, das den Titel "Arcandors Absturz" trägt und sich "wie ein Wirtschaftskrimi liest", wie das "Deutschlandradio" findet.

Wie ein Krimi

Krimi ist nicht übertrieben, denn was Seidel zusammenträgt, lässt den Leser die Haare raufen, angesichts der zahlreichen Geldverschiebungen, Auslagerungen von Gesellschaften und Immobilienverkäufen. Das ist zwar alles nicht grundlegend neu - aber schön zusammengestellt und gut aufgeschrieben.

Getragen wird das Buch von zehn "Schlaglichtern", in denen Seidel wegweisende Entscheidungen für Karstadt rekapituliert. So beispielsweise in der Rubrik "Aktion Tafelsilber", in der er beschriebt, wie der damalige Konzernchef Thomas Middelhoff den gewaltigen Immobiliendeal mit Verkauf der Karstadthäuser an Highstreet durchgezogen hat.

"Die gewählte Konstruktion ist streng genommen weniger ein Verkauf als eine schlichte Ausgliederung aus der Bilanz - zwar erlaubt, aber nicht gerade der Transparenz der Unternehmensfinanzen förderlich", schreibt Seidel.

Der Journalist erinnert aber auch daran, dass das Scheitern Karstadts nicht allein Middelhoff zuzuschieben ist. Er erzählt zum Beispiel von der geringen Handelskompetenz des früheren Karstadtchefs Walter Deuss, dem die Immobiliengeschäft auch immer etwas mehr am Herzen gelegen habe.

"Im Laufe der Jahre wird immer klarer werden, dass diesem Konzern mit seinen Immobilien ausgerechnet ausgerechnet das Wertvollste, was er hatte, zum Verhängnis wurde", schreibt Seidel.

Hätte die Konzernführung "nur halb so viel Energie für die Stärkung des Geschäfts mit Socken, Töpfen, Kosmetik oder Waschmaschinen aufgewandt wie für die Plünderung des Immobilienschatzes - KarstadtQuelle / Arcandor wäre ein erfolgreicheres Unternehmen geworden als jenes, das wird kennen. Vielleicht sogar eines, das im Juni 2009 keine Insolvenz hätte anmelden müssen".

Tipps für Berggruen

Seidel listet aber nicht nur die Verfehlungen bei Arcandor auf - er notiert auch, welche Lehren aus diesem Debakel zu ziehen sind.

Dort heißt es etwa: "Eigentümerschaft an einem Unternehmen darf sich nicht auf Gewinnentnahmen in guten oder finanzielle Unterstützung in schlechten Zeiten sowie gelegentliche Bestellung oder Entlassung von Vorstandsmitarbeitern beschränken. Eigentum verpflichtet auch dazu, die langfristige Richtung des Unternehmens vorzugeben."

Oder: "Probleme, Risiken und Kosten in die Zukunft zu verlagern (...) ist kein Management, sondern Missbrauch von Vertrauen und im nicht juristischen Sinne ein Betrug am Unternehmen.

Oder: "Eine Mitarbeitervertretung hat sich am Interesse des Gesamtunternehmens zu orientieren und darf nicht danach streben, eine Art Gegen-Management zu installieren, das (...) nur die Interessen der eigenen Klientel berücksichtigt."

Vielleicht hat sich der neue Karstadtbesitzer Nicolas Berggruen Seidels Buch schon bestellt. Falls nicht - er sollte es tun.