Sie machen Druck, wollen sich aber nicht einmischen: Bislang kamen von den Politikern keine nennenswerten Impulse zur Lösung des Karstadt-Dilemmas.

Sie mahnen und fordern, sie warnen und drohen - und doch sind die Politiker beim Kampf um Karstadt lediglich machtlose Zuschauer. Ihre Forderungen dienen oft lediglich der eigenen Imagepflege und trugen kein bisschen zur Lösung des Problems bei.

Harry Voigtsberger (SPD), Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen, hat zum Beispiel eine "rasche Einigung über die Mietkonditionen" zwischen Bieter Nicolas Berggruen und Konsortium Highstreet gefordert, dem 86 der 120 Karstadt-Immobilien gehören.

"Eine erneute Verzögerung ist nicht länger hinnehmbar und verlängert nur unnötig die Ungewissheit aller betroffenen Beteiligten", zeterte Voigtsberger in Düsseldorf.

Recht hat er - doch ob sich die Highstreet-Gläubiger davon beeindrucken lassen, ist höchst fraglich. Zumal entscheidende Akteure des Konsortiums nicht einmal in Deutschland sitzen. Die Gläubigertreffen werden gewöhnlich in London abgehalten.

"Ein solides Deal"

"Vermieter und Mieter müssen jetzt ihre Hausaufgaben machen und sich einigen. Das ist deren Verantwortung", sagte auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in der Zeitschrift „WirtschaftsWoche" - und forderte einen „soliden Deal".

"Der Staat kann und wird nicht Teil dieses Deals sein", betonte Brüderle jedoch im gleichen Atemzug - und gab damit indirekt zu, dass ihm nur noch Drohgebärden übrig bleiben, um zu versuchen, den Kaufprozess von Karstadt zu beeinflussen.

Geheimes Schreiben in der Zeitung

Am hartnäckigsten versuchte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Einfluss auf den Kurs der Karstadt-Verhandlungen auszuüben. Dafür lud sie sogar zu einer Pressekonferenz gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi ein.

Die CDU-Politikerin hat ein "vertrauliches Schreiben" an die Anleihegläubiger des Vermieterkonsortiums Hightstreet verfasst, das dann doch noch der Presse zugespielt wurde. In dem Brief drängte die Ministerin auf eine Einigung. "Ein fairer Makler kann helfen", schrieb von der Leyen.

Letztlich weiß die Bundesarbeitsministerin aber auch: Was Karstadt wirklich zu einer Perspektive verhelfen würde, wäre ein vernünftiges und solides Betreiberkonzept. Und das bis 24 Uhr am Donnerstag, wenn der bereits unterzeichnete Kaufvertrag von Berggruen seine Gültigkeit behalten soll.

Lesen Sie hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Karstadt-Poker.