Die Zukunft von Karstadt ist unklar. Umso überraschender ist die Nachricht, dass die angeschlagenen Warenhäuser vorerst schwarze Zahlen schreiben. Angeblich gibt es auch mehrere Kaufinteressenten.

Obwohl Karstadt und andere insolvente Tochterunternehmen des
Touristik- und Handelskonzerns Arcandor ums Überleben kämpfen, schreiben die Kaufhäuser laut einem Zeitungsbericht schwarze Zahlen.

Der operative Gewinn der Karstadt-Häuser habe in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahrs (30. September) bei sieben Millionen Euro gelegen, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf das PwC-Gutachten für den gescheiterten Bürgschaftsantrag von Arcandor.

Thomas Cook laut FTD-Bericht verpfändet

Offenbar ist der langfristigen Verbleib der ertragsstarken Arcandor-Touristiktochter im Konzern gefährdet. Ein Anteil von 52,8 Prozent an Thomas Cook soll verpfändet worden sein, um Kredite abzusichern. Der "Financial Times Deutschland" zufolge ist darüber hinaus das 960 Millionen Euro schwere Darlehen des Konsortiums um BayernLB, Commerzbank und Royal Bank of Scotland (RBS) mit einem 44,8-Prozent-Anteil an Thomas Cook besichert.

Die restlichen acht Prozent stünden den Gläubigern einer Umtauschanleihe zu, die Arcandor 2008 begeben hat. Das Konsortium will, wie die Zeitung schreibt, das Paket innerhalb von 12 Monaten verkaufen.

Auch Primondo-Anteile sind verpfändet

Aber nicht nur Thomas-Cook-Anteile sind verpfändet, sondern auch Teile der Versandhandelstochter Primondo, wie Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski einen Bericht im "Handelsblatt" bestätigte. Zu Primondo gehören unter anderem der Universalversender Quelle, mehrere Spezialversender und der Shoppingkanal HSE 24. Neben Kaufhof und Metro bekräftigen auch andere Unternehmen ihr Interesse an Konzernteilen.

Bei der Otto-Gruppe geht es um die Spezialversender und die Karstadt-Sporthäuser, die mit der Tochter Sport-Scheck verschmolzen werden könnten. Rewe zeigt Interesse an Thomas Cook.

"Nicht nur mit Metro reden"

Für Arcancor ist der Konkurrent Metro ist nicht der einzige mögliche Partner für eine Warenhaus AG. Konzernchef Karl-Gerhard Eick will auch mit anderen Interessenten über die Zukunft von Karstadt verhandeln.

"Wir werden die Gespräche nicht nur mit der Metro suchen, und wir werden dann die Lösung finden, die für die Mitarbeiter und das Unternehmen die interessanteste ist", sagte Eick am Donnerstag bei der Aufzeichnung der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner" in Hamburg. Damit könnte er für die Karstadt-Häuser einen besseren Preis erzielen.

Zuletzt war die Rede davon, dass Metro die Karstadt-Häuser kaufen und mit Kaufhof zur Warenhaus AG verschmelzen werde. Dieses Paket sollte dann an den italienischen Unternehmer Maurizio Borletti weiterveräußert werden.

Karstadt-Mehrheit soll gehalten werden

Arcandor-Sprecher Koslowski erteilte aber schnellen Gesprächen eine Absage. Im laufenden Insolvenzverfahren werde sich zunächst der vorläufige Insolvenzverwalter ein Bild machen. Nach Koslowskis Angaben will Arcandor auch nicht die Mehrheit an Karstadt abgeben, wie Medien berichtet hatten.

Arcandor hatte diese Woche nach dem gescheiterten Antrag auf Staatshilfe einen Insolvenzantrag für die Arcandor AG sowie die Töchter Karstadt Warenhaus, Primondo und Quelle gestellt. Insgesamt müssen 43.000 Beschäftigte um ihre Arbeit bangen. Lediglich die an der Börse in London notierte Touristiktochter Thomas Cook und einige Spezialversender wie Baby-Walz oder hess natur sind von der Insolvenz ausgenommen.

Zu Guttenberg erwartet weitere Verhandlungen

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hält es für möglich, dass auch im laufenden Insolvenzverfahren erneut über Staatshilfen verhandelt wird. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch im weiteren Verfahren noch der Ruf nach Staatshilfe kommt. Das wäre nicht außergewöhnlich und war bei anderen größeren Insolvenzen schon der Fall", sagte zu Guttenberg dem "Handelsblatt".

Deshalb bleibe die Regierung in engem Kontakt mit allen Verantwortlichen, "mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und ohne pauschale Heilsversprechen", sagte er.
Für den Fall eines Zusammengehens von Karstadt mit der zur Metro gehörenden Kaufhauskette Kaufhof würde das Bundeskartellamt diese Fusion genau untersuchen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer sagte der Zeitung, ein solcher Fall würde sehr genau geprüft. Das Ergebnis ist noch völlig offen.

Lange Prüfung durch das Kartellamt erwartet

Dies sei Metro auch signalisiert worden. Das "Handelsblatt" schreibt, für die Prüfung einer Karstadt-Kaufhof-Fusion würden die Kartellbehörden Monate brauchen. Das Bundeskartellamt habe erklärt, eine eingehende wettbewerbsrechtliche Prüfung würde zunächst vier Monate in Anspruch nehmen.

Auch die EU-Kommission müsse sich mit dem Fall befassen, da es um ein Umsatzvolumen von mehr als fünf Milliarden Euro gehe.