Im Streit um die Tarifbindung gehen der Warenhauskonzern und die Gewerkschaft Verdi aufeinander zu. Eine Pause von der "Tarifpause" steht in Rede. Die Umsätze liegen laut Medienberichten unter Plan.

Unternehmenskreise bestätigten am Sonntag Angaben des "Spiegel", wonach es Gespräche gegeben habe. Es sei deutlich geworden, "dass ein aufeinander Zugehen erforderlich ist, um zu einer gemeinschaftlich erarbeiteten Lösung zu gelangen", zitiert das Nachrichtenmagazin aus einem Brief von Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz und Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt an die Mitarbeiter.

Karstadt will mit einer zweijährigen "Tarifpause" drohende Mehrbelastungen in Millionenhöhe abwenden. Ziel von Verdi ist, dass Karstadt zur Tarifbindung zurückkehrt. Noch Ende Juni hatte Weitz sinngemäß erklärt, die Tarifpause sei alternativlos.

Frust an der Basis

An der Basis dürfte diese Nachricht mit Freude aufgenommen werden, denn "die Tarifbindung ist bei uns Thema Nummer eins", sagte unlängst Martina Würthwein-Hartmann, Betriebsratsvorsitzende von Karstadt im Rhein-Neckar-Zentrum Viernheim, zu derhandel.de. Die Arbeitnehmervertreterin beklagt die Personalknappheit, aufgrund derer die Kunden ihrer Meinung nach nur noch mangelhaft bedient werden könnten.

Ähnlich sieht es Norbert Sachs, Betriebsratsvorsitzender von Karstadt auf der Frankfurter Zeil. Vom Stellenabbau im Warenhauskonzern sei diese Filiale überdurchschnittlich hart betroffen gewesen - mit 115 Mitarbeitern habe das Haus innerhalb von drei Monaten ein Viertel der Belegschaft verloren, so der Arbeitnehmervertreter gegenüber derhandel.de. 60 dieser Jobs seien Vollzeitstellen gewesen. "Heute sind in dem Haus noch rund 300 Mitarbeiter beschäftigt", so Sachs.

Sachs glaubt freilich nicht an eine "Tarifpause", sondern befürchtet eher, dass Karstadt generell keine tarifliche Bindung mehr anstrebe.

Verkäufe unter Plan?

Laut "Spiegel"-Informationen liegen die Verkäufe derzeit 8,4 Prozent hinter der Planung und 6,9 Prozent hinter dem Vorjahr. Insgesamt fehle dem Unternehmen für das im September endende Geschäftsjahr rund 200 Millionen an Umsatz, womit der Gesamtumsatz deutlich unter die Drei-Milliarden-Euro-Grenze fallen dürfte, so das Nachrichtenmagazin.

Einen Nachfolger für den scheidenden Vorstandschef Andrew Jennings konnte das Unternehmen noch immer nicht öffentlich bekanntgeben. Im Juni 2013 wurde bekannt, dass Jennings seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Über die Hintergründe der Demission wird spekuliert.

dpa, DH