Karstadt, ein Warenhauskonzern? Auch. Doch das Unternehmen ist mittlerweile ein Objekt für Immobilieninvestoren geworden. Benko, der neue starke Mann, könnte das komplette Unternehmen für einen Witzbetrag erwerben.

Kaufhäuser zum Schnäppchenpreis? Auch drei Jahre nach dem Einstieg von Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen ist die Zukunft der Warenhauskette weiter unklar. Spekuliert wird bereits über einen weiteren Rückzug des einst als Karstadt-Retter gefeierten Investors.

Nach dem vor zwei Monaten überraschend angekündigten Verkauf der Mehrheit an den Luxus- und Sporthäusern des Konzerns könnte nun auch die Mehrheit an den übrigen 83 Warenhäusern des Konzerns zur Disposition stehen - zum Preis von nur einem Euro.

Langfristig nur jedes dritte Warenhaus überlebensfähig

Auch wenn der aktuelle Bericht des "Manager Magazins" bislang nicht bestätigt wurde, könnte eine solche Offerte aus Sicht des derzeitigen Karstadt-Eigentümers durchaus Sinn ergeben, meint der Warenhausexperte und Lehrbeauftragte für Handelsmanagement an der Uni Leipzig, Gerd Hessert. Langfristig sei nach seiner Einschätzung in Deutschland nur maximal jedes dritte Warenhaus überlebensfähig.

Im Gespräch mit derhandel.de sagte Hessert vor einiger Zeit: "Meine These ist, dass es künftig 20 Häuser in einer Premium-Gruppe geben wird - die aus Karstadt und Galeria Kaufhof gebildet wird. Darunter kommen 50 bis 60 Folgehäuser wie besagte Filialen wie in Wiesbaden oder auf der Zeil."

Auf den Standort kommt es an

Zudem hat für Hessert ein Warenhaus dort keine Zukunft, wo die Rahmenbedingungen des jeweiligen Standorts schlecht sind. In einer Untersuchung von 29 ostdeutschen Mittel- und Großstädten hat der Immobilienfachmann die Kriterien für ein funktionierendes Warenhaus festgestellt.

Die Liste der Anforderungen ist lang: Eine Stadt muss etwa 340.000 Einwohner, eine Gesamtverkaufsfläche von 630.000 Quadratmetern und 155 Handelsgeschäfte in der 1a-Lage haben, wovon mindestens zehn Betriebe Marktführer in ihrer Branche sein müssen. Zudem darf ein innerstädtisches Shoppingcenter vor Ort nicht mehr als 35.000 Quadratmeter Fläche haben. Und schließlich sollte der Einzelhandelsumsatz einer Stadt bei mindestens 1,9 Milliarden Euro im Jahr liegen.

Es geht um Karstadt und Kaufhof

Dem "Manager Magazin" zufolge sollen die österreichische Signa-Gruppe, der bereits die Mehrheit an Karstadt Premium und Sport gehört, und der israelische Diamanten-Milliardär Beny Steinmetz die Option haben, die Mehrheit am Karstadt-Stammgeschäft zu übernehmen. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" würden die Investoren die Option aber nur ziehen, wenn es eine Chance gäbe, Kaufhof als zweite deutsche Warenhausgruppe zu erwerben.

Ebenso wie Berggruen hatte Signa-Gründer René Benko in der Vergangenheit auch Interesse an einer Übernahme des Karstadt-Konkurrenten Kaufhof bekundet. Kaufhof-Chef Lovro Mandac hatte sich zuletzt am vergangenen Wochenende jedoch deutlich gegen eine Fusion mit dem Konkurrenten ausgesprochen.

Tausende Jobs auf der Kippe

Ein möglicher Zusammenschluss der beiden Konkurrenten hätte nach Ansicht des Handelsexperten Thomas Roeb von der Universität Bonn-Rhein-Sieg den Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen zur Folge. Ein Zusammengehen sei jedoch das Szenario mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit, meinte er.

Auch mehr als vier Jahre nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens geht damit die Zitterpartie für die rund 20.000 Karstadt-Beschäftigten weiter. Berggruen hatte den Konzern 2010 aus der Insolvenz heraus übernommen - allerdings ohne die Warenhausimmobilien. Fest steht schon, dass der Anfang 2011 eingesetzte Karstadt-Chef Andrew Jennings zum Jahresende von Bord geht. Ein Nachfolger ist noch nicht bestimmt.

Im Januar trifft Benko auf Verdi-Vertreter

Nach der Ankündigung eines ehrgeizigen Konzepts unter dem Titel "Karstadt 2015" kurz nach seinem Amtsantritt hatte der Manager der Öffentlichkeit zuletzt kaum noch einen Blick in die Bücher ermöglicht. In einem Interview hatte der neue Karstadt-Miteigentümer Benko vor einigen Wochen immerhin einen Ausbau der Premium-Kaufhäuser in Aussicht gestellt.

Für die Beschäftigten hatte Karstadt im Frühjahr dieses Jahres eine "Tarifpause" angekündigt und damit für Unmut gesorgt. In dem noch laufenden Tarifstreit will die Gewerkschaft neben einer Rückkehr von Karstadt in die Tarifbindung auch eine Beschäftigungs- und Standortsicherung durchsetzen. Mit Spannung sieht Verdi auch einem für Januar vereinbarten Gespräch mit Benko entgegen. Die Gewerkschaft erhofft sich mehr Transparenz hinsichtlich der Pläne der Eigentümer.