Dem Griff von Wöhrl nach SinnLeffers wird nun auch beim Bundeskartellamt bearbeitet. Die Behörde bestätigt den Eingang des entsprechenden Übernahmeantrages.

Die Hagener Modekette SinnLeffers mít rund 2.000 Mitarbeitern steht vor einem Verkauf an den Nürnberger Modehändler Wöhrl. Das Bundeskartellamt bestätigte am Freitag einen entsprechenden Antrag einer Gesellschaft aus der Wöhrl-Familie auf Zusammenschluss mit SinnLeffers. Dieser sei bereits am 27. Dezember eingegangen, sagte eine Kartellamtssprecherin. Die Frist für die Prüfung betrage einen Monat.

Für diesen Freitag um 13 Uhr hat SinnLeffers eine Pressekonferenz am Firmensitz in Hagen angekündigt. Es gehe um "Veränderungen", über die das Unternehmen berichten wolle, hieß es in der Einladung.

Es wächst zusammen, was zusammen passt

Wöhrl-Vorstand Olivier Wöhrl verriet im Exklusivgespräch mit der Onlineausgabe der "Textilwirtschaft" freilich schon mehr. Es handele sich um ein strategisches Investment der Familie, beide Unternehmen würden zueinander passen und sich ergänzen.

Weiter betonte Olivier Wöhrl, dass es auch nach der Übernahme keinen Anlass gäbe, bestehende Unternehmensstrukturen zu verändern. Sowohl Wöhrl und SinnLeffers sollen in ihren jeweiligen Kernmärkten zunächst weiter eigenständig agieren.

Wöhrl ist derzeit im Süden und Osten Deutschlands präsent, SinnLeffers im Westen und in der Mitte. Das Familienunternehmen Wöhrl erzielte nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2010/11 mit 2.400 Mitarbeitern an 38 Standorten vor allem in Süd- und Ostdeutschland einen Umsatz von 346 Millionen Euro.

SinnLeffers beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter in 22 Häusern insbesondere in Nord- und Westdeutschland. Der Jahresumsatz liegt nach Angaben des Sprechers bei gut 300 Millionen Euro. Lesen Sie hier eine Unternehmenschronik.

Planinsolvenzverfahren überstanden

SinnLeffers war 1997 durch die Fusion aus den zwei kleineren Traditions-Modehäusern Sinn und Leffers in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen entstanden. Von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener KarstadtQuelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. 2008 meldete SinnLeffers eine Planinsolvenz an.

Seit dem Ende des Verfahrens im Jahr 2009 ist das Unternehmen mit deutlich verkleinertem Ladennetz und halbierter Mitarbeiterzahl am Markt. Die Zahl der Filialen verringerte sich von 47 auf weniger als die Hälfte. Schon im ersten Geschäftsjahr nach der Insolvenz hatte SinnLeffers nach eigenen Angaben aber wieder Gewinn erwirtschaftet.

dpa/ges

Anm. d. Red. : Dieser Artikel wurde korrigiert und atualisiert. Die ursprüngliche Überschrift weckte irrtümlicherweise den Eindruck, das Kartellamt habe bereits die Übernahme genehmigt. Das ist (noch) nicht der Fall.