In aller Eile hat das Bundeskartellamt gehandelt. Nach wenigen Tagen winkt das Bundeskartellamt Benkos Karstadtdeal durch. Derweil klagt sein Vorgänger über allerlei Widrigkeiten bei seinem Versuch der Sanierung.

Der österreichische Immobilieninvestor René Benko kann mit dem Umbau von Karstadt beginnen. Das Bundeskartellamt erteilte am Donnerstag die Freigabe für die Übernahme von 88 Karstadt-Warenhäusern durch die Signa-Holding des Österreichers. Die Freigabe erfolgte ohne Auflagen und Bedingungen, wie die Wettbewerbsbehörde am Donnerstag mitteilte.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte: "Letzten Endes wird hier ein Investor durch einen anderen ausgetauscht. An der Marktstellung der einzelnen Karstadt-Warenhäuser ändert sich dadurch aus wettbewerblicher Sicht nichts." Benko hatte die Karstadt-Warenhäuser in der vergangenen Woche vom bisherigen Eigentümer, dem Finanzinvestor Nicolas Berggruen, für nur einen Euro übernommen.

Der bisherige Karstadt-Eigentümer Berggruen machte in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung» (Donnerstag) die Arbeitnehmervertreter mitverantwortlich für die anhaltende Krise beim Essener Traditionsunternehmen. "Jede strukturelle Änderung, die wir eingefordert haben, stieß auf Widerstand", sagte er. Dies habe am Ende dazu geführt, dass er nicht viel habe ändern können.

Berggruen gibt Verdi die Schuld

Benko habe jetzt aber mehr Freiheiten, denn er sei keine Kompromisse eingegangen mit den Mitarbeitern und Verdi. "Ich hoffe für Karstadt, dass er es schafft", sagte Berggruen. Die Gewerkschaften müssten sich überlegen, was gut für Karstadt sei, meinte der Unternehmer: "Manchmal ist es bei einer Sanierung eben so: Am Anfang tut es weh, aber langfristig hilft es."

Verdi hatte in den vergangenen Tagen wiederholt die Forderung nach einer Standort- und Beschäftigungsgarantie des neuen Eigentümers für das Unternehmen bekräftigt. "Für uns ist es wichtig, dass es schnell ein Gespräch mit Herrn Benko gibt, in dem er uns erklärt, was seine Motivation ist, bei Karstadt einzusteigen. Zudem soll er uns sein Konzept und dessen zeitliche Abläufe erläutern. Danach werde ich sagen, ob ich zufrieden bin mit ihm oder nicht", hatte Arno Peukes,  Verdi-Vertreter im Karstadt-Aufsichtsrat, zu derhandel.de gesagt.

Durch den Ausstieg Berggruens sind die gesamten Karstadt-Warenhäuser wieder unter einem Dach zusammengeführt. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte Signa die drei Karstadt Premium-Häuser in Berlin, Hamburg und München sowie den Großteil der Karstadt-Sportgeschäfte übernommen.

Verlustreichen Häusern droht Schließung

Benko will die angeschlagene Warenhauskette nach einem Bericht des "Handelsblatts" innerhalb von ein bis zwei Jahren sanieren. Benkos Rettungsplan sehe vor, anhaltend verlustreiche Karstadt-Häuser zu schließen. Attraktive Standorte sollten in Einkaufsmeilen mit Markenhändlern verwandelt werden. Der Konzern selbst solle saniert werden - mit neuer Organisation und Informationstechnik, schrieb das Blatt.

Erste Entscheidungen könnten bereits auf einer Aufsichtsratssitzung in den nächsten Wochen fallen. Allerdings müssen zuvor noch die Berggruen-Vertreter in dem Kontrollgremium durch Benko-Vertraute ersetzt werden. Eigentlich war die Sitzung, auf der die Karstadt-Führungsspitze ihr Sanierungskonzept vorstellen wollte, bereits für diese Woche geplant. Sie musste aber wegen des Eigentümerwechsels und der Freigabe der Übernahme durch das Kartellamt verschoben werden.