Die Kartellrechtsbeschwerde des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gegen Audible geht in die nächste Runde: Die Wettbewerbshüter leiten ein Verfahren gegen die Amazon-Hörbuchtochter und Apple ein.

Manchmal zeigen Beschwerden doch Wirkung. Zum Beispiel beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der sich im September in einem Schreiben an das Bundeskartellamt über das Geschäftsgebaren von Amazon bei Hörbüchern beschwerte. Der Vorwurf: Der Lieblingskonkurrent missbrauche mit seiner Tochter Audible seine marktbeherrschende Stellung beim Vertrieb digitaler Hörbücher. Nun hat das Bundeskartellamt ein Verfahren gegen Audible und Vertriebspartner Apple eingeleitet.

"Das Geschäftsmodell von Amazon und Audible zielt darauf ab, die ausgezeichneten Buchhandelsstrukturen in Deutschland zu zerstören. Diese Unternehmen sind erklärtermaßen auf dem Weg, ein Monopol zu errichten", ärgert sich Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. "Die Leidtragenden sind Hörbuchverlage, Buchhändler sowie der Zwischenbuchhandel und am Ende das kulturelle Angebot in Deutschland, denn diese Geschäftspolitik gefährdet die kulturelle Vielfalt und die Qualität auf dem Buchmarkt. Wir beobachten das Verhalten des Konzerns deshalb sehr genau."

"Audible will Bedingungen aufzwingen"

Audible nutze demnach seine Marktstellung, um Hörbuchverlagen unzumutbare Bedingungen für die Vermarktung digitaler Hörbücher aufzuzwingen. So sollen die Verlage durch Kündigung bestehender Lizenzverträge in wenig lukrative Flatratemodelle gedrängt werden, mit denen deutlich niedrigere Umsätze erzielt werden können.

Leisten kann sich Amazon das, weil über die Onlineplattformen von Audible und Amazon sowie über den iTunes Store von Apple, der von Audible exklusiv beliefert wird, nach Menge und Umsatz mehr als 90 Prozent aller Downloads von Hörbüchern in Deutschland getätigt werden, argumentiert Skipis.

Auch bei der EU-Kommission vorstellig geworden

Daher freut sich der Börsenverein, dass die deutschen Wettbewerbshüter das Geschäftsgebaren von Audible.com und Apple Computer Inc. nun genauer unter die Lupe nehmen wollen. "Wir begrüßen es, dass das Bundeskartellamt unsere Darstellung zum Anlass nimmt, ein Verfahren einzuleiten und die Vereinbarung zwischen der Amazon-Tochter Audible und Apple genauer prüft. Hörbuchverlage brauchen eine adäquate Möglichkeit, ihre Hörbücher auch unabhängig von Audible vertreiben zu können. Das ist in der derzeitigen Konstellation nicht möglich."

Parallel hat sich der Börsenverein zudem an die EU-Kommission gewandt, um auch formal Beteiligter des laufenden Kartellverfahrens der Brüsseler Wettbewerbshüter gegen Amazon zu werden. "Auf diese Weise sollte gewährleistet werden, dass sich die Kommission ein vollständiges Bild über die kartellrechtswidrigen Praktiken von Firmen der Amazon-Gruppe machen kann", erläutert Branchenvertreter Skipis.