Bei Lebensmitteln galt Deutschland bisher als Billigparadies für Kunden. Der intensive Wettbewerb im Handel garantiere niedrige Preise, so die verbreitete Überzeugung. Das Bundeskartellamt zweifelt daran.

Das Kartellamt zweifelt am Preiswettbewerb im Lebensmittelhandel. Foto: Hanno Bender
Das Kartellamt zweifelt am Preiswettbewerb im Lebensmittelhandel. Foto: Hanno Bender
Das Bundeskartellamt wünscht sich im Interesse der Verbraucher mehr Wettbewerb im deutschen Lebensmittelhandel. "Wir haben sicher Wettbewerb um solche Produkte, die wir jeden Tag im Supermarkt kaufen: Milch, Joghurt, Butter", sagte der Präsident der Behörde, Andreas Mundt, dem "Handelsblatt".

"Es gibt aber auch andere Produkte im Sortiment, bei denen wir gewisse Zweifel hegen. Wir haben auch Indikatoren dafür, dass der Wettbewerb nicht generell so lebhaft ist wie wir das bislang alle glaubten", so der oberste deutsche Wettbewerbshüter.

Das Bundeskartellamt hatte Mitte Februar angekündigt, die Einkaufsmacht der Lebensmittelriesen ins Visier zu nehmen. Im Fokus der Branchenuntersuchung stehen die Wettbewerbsbedingungen bei der Beschaffung von Nahrungs- und Genussmitteln durch die Unternehmen.

"Vier Händler kontrollieren 85 Prozent des Marktes"

Hintergrund ist die zunehmende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel. Vor gut zehn Jahren hätten sich noch sieben Handelsunternehmen 70 Prozent des Marktes geteilt. "Jetzt haben wir es mit den vier großen Handelskonzernen Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe (Lidl) und Aldi zu tun, die 85 Prozent der Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel auf sich vereinen", sagt Mundt.

Preissenkungsrunden, mit denen Discounter immer wieder werben, liefern nach Mundts Einschätzung möglicherweise einen verzerrten Eindruck. "Den Preisdruck durch Aldi sehen wir auch. Aber eben nur für einige Produkte des täglichen Bedarfs und im Niedrigpreissegment. Aldi hat rund 800 Waren im Sortiment, ein großer Edeka-Markt bis zu 50.000. Da muss man die Preisführerschaft Aldis schon differenziert sehen."

Echter Preiskampf nur in 40 Warengruppen

Gerne verweist Mundt in diesem Zusammenhang auch auf eine Studie zum Preisgefüge im Lebensmittelhandel, die das Markforschungsunternehmen Gfk im Juli 2010 veröffentlicht hat. "Nur wenige Warengruppen im deutschen Lebensmittelhandel unterliegen einem echten Preiskampf", lautet das Fazit der Nürnberger.

Lediglich 40 der untersuchten Warengruppen des täglichen Bedarfs wie Kaffee, Schokolade, Butter, Joghurt oder Fruchtsäftelassen lassen kaum Preisspielräume zu, so die Untersuchung. Bei mehr als 230 Warengruppen dagegen akzeptieren Verbraucher sogar überdurchschnittliche Preise, wenn Sortiment, Produktleistung und Service stimmen.

dpa, hb