Der Zahlungsdienstleister Concardis hat 2010 die Anzahl der Kartenzahlungen und die abgewickelten Kartenumsätze erneut gesteigert. Ein selbstgestecktes Ziel konnte der Acquirer in 2010 jedoch nicht erreichen.

Der Kreditkartenacquirer Concardis erhöhte den abgewickelten Kartenumsatz im vergangenen Geschäftsjahr um 14,2 Prozent auf 23,3 Milliarden Euro. Die Umsatzerlöse stiegen im gleichen Zeitraum um 12,6 Prozent auf 330,7 Millionen Euro. Auch die Anzahl der Transaktionen wuchs mit 18 Prozent zweistellig auf 191,6 Millionen.

"Damit sind wir im fünften Jahr in Folge gewachsen. Das ist ein schöner Erfolg", kommentierte Manfred Krüger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Concardis GmbH, die Zahlen heute vor Journalisten in Frankfurt. "Nach dem Rekordergebnis im Jahr 2009 haben wir 2010 das zweitbeste Ergebnis der Firmengeschichte erzielt". Nähere Angaben zum Ergebnis macht das Unternehmen nicht.

Marktanteil konstant trotz verschärftem Wettbewerb

Concardis und B+S Card Service sind die beiden größten deutschen Kreditkartenacquirer, die nach Zahlen des EHI Retail Institute rund 80 Prozent dieses Marktes auf sich vereinen.

"Acquirer" schließen mit Händlern, Gastronomen und Dienstleistern Verträge für die Akzeptanz von Kreditkarten und wickeln die entsprechenden Zahlungstransaktionen gegen eine Gebühr (Disagio) ab.

Concardis betreut nach eigenen Angaben 400.000 solcher Akzeptanzstellen in Deutschland, Österreich, den Benelux-Ländern und der Schweiz. Der eigene Marktanteil in Deutschland liegt nach Unternehmensangaben unverändert zwischen 34 und 38 Prozent.

"Der Wettbewerb unter den Acquirern ist zwar spürbar härter geworden, große Marktverschiebungen und Kundenabwanderungen gab es im vergangenen Jahr dennoch nicht", sagte Rainer Sureth, Mitglied der Geschäftsführung der Concardis. "Neue Umsätze sind in erster Linie durch das Erschließen neuer Branchen für die Kartenzahlung möglich".

Weiße Flecken auf der Landkarte

Insbesondere der Möbel- und der Elektrohandel seien noch weiße Flecken, die es für die Kreditkartenakzeptanz zu erobern gelte. Sureth hatte im vergangenen Jahr angekündigt, noch 2010 einen Lebensmitteldiscounter für die Kreditkartenakzeptanz zu gewinnen. Dieser Wunsch erfüllte sich jedoch nicht. Lidl pilotiert an der Grenze zu Frankreich lediglich in einigen wenigen Filialen die Visakarten-Akzeptanz, jedoch nicht mit  Concardis als Acquirer.

Sureth zeigte sich dennoch zuversichtlich, auch die Discounter demnächst für die Kreditkartenakzeptanz begeistern zu können. "Die Kunden wollen auch im Discounter mit ihrer Kreditkarten zahlen", sagte Sureth mit Blick auf das Non-Food-Aktionsgeschäft dieser Händler.

Zuwachs im E-Commerce mit E-Payment-Lösungen

Zulegen konnte Concardis auch im E-Commerce-Bereich. Hier bietet der Zahlungsdienstleister aus Frankfurt am Main kleineren und mittleren Online-Händlern mit der so genannten PayEngine eine Zahlungslösung, die rund 30 verschiedene internationale und nationale Bezahlmethoden in den Shop integriert - von der Kreditkartenzahlung über PayPal bis hin zu sofortüberweisung.de und anderen Verfahren.
 
1.635 Kunden nutzen diese E-Payment Lösung nach Unternehmensangaben inzwischen, pro Monat wickelt Concardis mehr als 100.000 Transaktionen über diese Plattform ab. Auch die neue Zahlungslösung "Bezahlen über Amazon" wird Concardis laut Sureth in die PayEngine integrieren. Der Bereich E-Commerce-Zahlungsabwicklungen nimmt inzwischen 13 Prozent des Gesamtumsatzes ein.

Concardis bietet auch eine iPhone-App an, die das Smartphone zum mobilen Zahlungsterminal für Kreditkartenzahlungen werden lässt. Im Mail-Order-Verfahren, also mit Angabe der Prüfziffer von der Kartenrückseite, ermöglicht die ePayment-App Zahlungen mit Visa-, Mastercard- oder Amex-Karten.

Ausblick: "mindestens plus 12 Prozent"

Auch in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres verlief das Geschäft für die Concardis "analog zum Vorjahr" mit zweistelligen Wachstumsraten. "Wir wollen daher auch 2011 erneut um mindestens 10 bis 12 Prozent zulegen", sagte Krüger - mit einer deutlichen Betonung auf dem Wort "mindestens".

Zukunftsthemen für die Kartenbranche und das Unternehmen seien, neben dem Schließen der weißen Flecken, der Bereich kontaktloses und mobiles Zahlen sowie die Erschließung von neuen Auslandsmärkte, um die Kunden aus Deutschland bei ihrer Expansion begleiten zu können. Hilfreich sei hierbei die in 2010 erfolgte Zulassung zum Zahlungsinstitut, einer Art "Europass" für Zahlungsdienstleister, wie Sureth formulierte.

Sehr ernst nehme man auch die Bemühungen von Unternehmen wie Apple und Google, in den Markt der Zahlungslösungen einzudringen, betonte Krüger. "Wenn es um das Bezahlen geht, braucht man aber eine vertrauenswürdige Marke wie sie derzeit nur die Kreditkartenunternehmen besitzen", so der Concardis-Geschäftsführer.

"Wir haben uns schon vor Jahren darauf eingestellt, dass uns die Telekommunikationsunternehmen unser Geschäftsfeld streitig machen könnten und das ist nicht erfolgt", zeigte sich Krüger mit Blick auf die mögliche neue Konkurrenz gelassen.