RFID, Self-Checkout und mobile Bezahlung sind zwar spannende Themen für IT-Entscheider im Handel. Doch für die meisten Händler stehen nach wie vor die Bereiche Warenwirtschaft und Kasse im Fokus, zeigt eine EHI-Studie.

Die Hausaufgaben sind gemacht – nun konzentrierten sich die Händler darauf, das eigene Profil zu schärfen und die Kunden gezielter anzusprechen, so das Ergebnis der Studie "IT Trends im deutschsprachigen Handel", die das EHI Retail Institute auf der EuroShop 2011 vorgestellt hat.

Während Basisarbeiten wie die Konsolidierung des Zentralsystems, der Ausbau der "Business Intelligence" (BI), die Lieferantenanbindung und die Warenwirtschaftsoptimierung im Schnitt beim Budget jeweils um ein Drittel zurückgefahren wurden, gaben die befragten Handels-ITler an, dass im gleichen Maße die Merchandise-Planung optimiert und Multi-Channel-Aktivitäten ausgebaut werden.

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Neues Thema Kundenintegration

Neu auf der Tagesordnung sei das Thema Kundenintegration, das bereits knapp ein Fünftel der Retailer auf der Agenda habe. 29 Prozent der befragten Unternehmen beschäftigten sich mit der Erneuerung ihrer Warenwirtschaftssysteme.

Daneben sei dein weiteres wichtiges Thema, die IT möglichst über die gesamte Lieferkette aus einem Guss zu gestalten: "Die Vertikalen wie H&M und Zara haben hier neue Benchmarks gesetzt und aufgezeigt, welche Synergiepotenziale, aber auch strategische Vorteile eine konsequente Lieferanten-Kollaboration bringt", sagt Cetin Acar, Projektleiter Forschungsbereich IT beim EHI.

Dementsprechend sei heute die große Mehrheit der Handelsunternehmen in ihren warenwirtschaftlichen Prozessen per elektronischem Datenaustausch - englisch "electronic data interchange", kurz EDI - mit ihren Lieferanten vernetzt. Nur jedes zehnte befragte Unternehmen oute sich heute noch als EDI-Verweigerer.

Darüber hinaus betreibe die Hälfte der Handelsunternehmen ein webbasiertes
Lieferantenportal oder Extranet. Dort werden den Lieferanten Bestands- und/oder
Abverkaufsdaten auf Filialebene entweder zur VMI-Abwicklung (Vendor Managed Inventory) von NOS-Ware (Never out of Stock) oder auch als marketingrelevante Paneldaten zur Verfügung gestellt. Andererseits können die Händler darüber Warenverfügbarkeit und artikelspezifische Informationen der Lieferanten abrufen.

Onlinehandel höchste strategische Bedeutung

Auch der Auf- und Ausbau von E-Commerce-Aktivitäten ist im Einzelhandel inzwischen von höchster strategischer Bedeutung. Knapp 30 Prozent der IT-Entscheider gehen davon aus, dass entsprechende Projekte in den kommenden Jahren eine herausragende Rolle spielen werden.

"Die nahtlose Verflechtung von stationärem Geschäft mit dem eigenen Onlineshop ist dabei in vielen Fällen bereits realisiert und soll, genauso wie die kanalübergreifende Auswertung von Kundendaten, künftig weiter perfektioniert werden", so Acar.

Obwohl in den vergangenen Jahren einiges in den Ausbau von Business-
Intelligence-Systemen investiert wurde, nutze nur ein Drittel der Handelsunternehmen die entsprechenden Analyseergebnisse für das Marketing.

Ebenso viele sind der Befragung zufolge der Meinung, diese Möglichkeiten noch lange nicht richtig ausgeschöpft zu haben. "Hier ist noch einiges an Potenzial, wenn man sich vor Augen führt, dass 90 Prozent der Händler systematische Bondatenanalysen betreibt", ist Acar überzeugt.

Green IT interessiert niemanden

Die Bedeutung des Themas Green IT ist und bleibt allerdings offenbar gering – zumal viele Interviewpartner Green IT nur mit Energieeffizienz gleichsetzten. Bereits seit Jahren würden alle Möglichkeiten wie Server/Desktop-Virtualisierung oder die Nutzung der Abluftwärme der Server ausgeschöpft. Und auch in den Filialen werde beim Wechsel von Hardware-Komponenten generell auf Energieeffizienz geachtet.

Auch wenn es in der letzten Zeit etwas stiller wurde um die Funktechnologie RFID. Nachdem die ersten Anwendungen fast immer auf das Etikettieren und Nachverfolgen von Paletten und Transportverpackungen beschränkt blieben, komme nun der Einsatz auf Artikelebene langsam in Gang.

"Treiber ist hier die Textilbranche, die das Label von der Produktion bis in den Verkauf entlang der Supply Chain einsetzen möchte", so der EHI-Mann. Zusätzlich könne das Etikett auch als Diebstahlsicherung eingesetzt werden.

Kassenrelevante Themen oben auf der Agenda

In den Filialen stehen nach wie vor bei vielen Unternehmen kassenrelevante Themen ganz oben auf der Prioritätenskala. "Im Zuge zunehmender internationaler Expansion, komplexer Anforderungen durch neue Funktionalitäten sowie einer weitreichenden Zentralisierung vieler Prozesse stoßen Firmen mit älteren Softwarelösungen oft an technologische und organisatorische Grenzen", erläutert Acar.

So planen 29 Prozent der Studienteilnehmer, in naher Zukunft ihre Kassensoftware zu erneuern, weitere 8 Prozent stehen vor einem umfassenden Software-Release-Wechsel. Und rund 31 Prozent werden kurz- bis mittelfristig auch den Austausch der Kassenhardware in Angriff nehmen.

wim

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