Berechnungen und Praxiserfahrungen zeigen: Wer in Bezahlautomaten investiert, darf nicht auf eine schnelle Amortisation hoffen. Dafür gibt es andere Vorteile.

Kassendifferenzen sorgen für Stress im Laden. Einen abendlichen Fehlbetrag muss das Kassenpersonal oftmals aus eigener Tasche bezahlen, und darüber hinaus gerät der Mitarbeiter auch psychologisch gegenüber seinem Arbeitgeber in die Defensive. Beim Dortmunder Edeka-Händler Horst Reinemann etwa müssen die Mitarbeiter am Ende des Tages Kassendifferenzen ersetzen, die ein Minus von 2,50 Euro übersteigen - eine in der Branche übliche Regelung.

In einem seiner beiden Supermärkte, im Dortmunder Stadtteil Brackel gelegen, ist dies allerdings kein Thema mehr. An den dortigen sechs Kassenlinien hat Reinemann Bezahlautomaten der Firma ScanCoin installiert - das Münzgeld können die Kunden unabgezählt in eine Schütte geben, Scheine händigen sie der Kassiererin aus, die sie in den Automaten einführt. Das System ist geschlossen, die Kassendifferenzen somit gleich null. "Meine Mitarbeiter sind viel entspannter", sagt Reinemann.

Und zwar so entspannt, dass sie häufiger freundlich mit den Kunden plaudern, weil sie sich nicht auf die korrekte Geldrückgabe konzentrieren müssen - der Kundenbindung zuträglich, damit vom Händler gerne gesehen.

Kassenübergabe in wenigen Sekunden

Nun wäre diese Art der kommunikativen Kundenbindung sehr teuer bezahlt, hätten die Automaten nicht auch berechenbare, sprich konkret zeitsparende Vorteile. Weniger beim Durchlauf an der Kasse: Zwar entfällt die manuelle Echtheitsprüfung jeder einzelnen Geldnote, und auch die automatische Geldrückgabe entlastet die Mitarbeiter. Eine mehr als marginale Beschleunigung des einzelnen Kassiervorgangs ergibt sich daraus jedoch nicht.

Anders beim Bargeldhandling: Der Wegfall der morgendlichen manuellen Kassenvorbereitung und der abendlichen Abrechnung, außerdem die nur Sekunden beanspruchenden Kassenübergaben während des Tages schlagen deutlich auf das Zeitkonto durch.

Edeka-Händler Reinemann geht davon aus, dass dadurch pro Tag und pro Kassenmitarbeiter mindestens 30 Minuten an Arbeitszeit einspart wird. Das Sparpotenzial erhöht sich, wenn man beispielsweise die ungeplanten Kassenstürze einrechnet, etwa weil ein Kunde falsche Rückgeld-Beträge reklamiert. Positiv zu Buche schlägt auch die weniger aufwendige Ver- und Entsorgung der Kassen mit Bargeld sowie die schnellere Konsolidierung der Tageseinnahmen im Backoffice. 

Halbe Stunde Zeitersparnis pro Tag

Mit seiner Spareinschätzung liegt Reinemann im Rahmen dessen, was auch die Technologieanbieter üblicherweise an Vorteilen in Aussicht stellen. Gunnebo zum Beispiel rechnet mit 32 Minuten Zeitersparnis pro Tag und Kassierer und mit 72 Minuten Zeitersparnis für den Hauptkassierer - dies allerdings bei auch im Backoffice automatisiertem Handling und bei täglicher Entsorgung durch den Geldtransporteur.
 
Wie allerdings die damit verbundenen Kostenvorteile konkret aussehen, kann nur für den Einzelfall seriös beurteilt werden. Dies gilt gleichermaßen für die Höhe der Investition. Als grobe Orientierungsmarke muss der interessierte Händler einen Betrag von 10.000 Euro pro Kassenplatz nur für die Automaten ansetzen - hinzu kommen Aufwendungen für die Integration der Geräte in die Systemlandschaft sowie die Folgekosten, insbesondere in Form von Serviceverträgen.

Handel hält sich zurück

Am Ende einer detaillierten und aufwendigen Investitionsrechnung steht damit eine Amortisation, die sich je nach Einzelfall zwischen zwei und vier Jahren bewegt. Das versetzt Händler nicht gerade in Euphorie und ist sicherlich der Hauptgrund dafür, dass die Technologie nur in Maßen verbreitet ist. Anbieter Gunnebo hat nach eigenen Angaben rund 700 Automaten auf der Fläche im Einsatz. ScanCoin bringt es auf 50 Installationen, ausschließlich bei Edeka-Händlern.

Wincor Nixdorf hat die Düsseldorfer Filiale des Lebensmittelhändlers Zurheide ausgestattet, kann darüber hinaus aber auf ein Großprojekt bei der Shell Deutschland verweisen. In deren Tankstellen sind 1.300 Systeme installiert - wobei hier der Sicherheitsaspekt im Vordergrund steht: Potenzielle Täter wissen, dass es sich nicht mehr lohnt, eine Shell-Tankstelle zu überfallen. In der Tat ist die Zahl der Überfälle seit Installation der Systeme deutlich zurückgegangen.

Auch Edeka-Händler Reinemann geht von einem "Return on Investment" von rund vier Jahren aus. Die Entlastung der Mitarbeiter, deren verstärkte Kommunikation mit den Kunden, auch das fortschrittliche Image seines Marktes sind für ihn allerdings "weiche Faktoren", die nicht zu vernachlässigen sind.

Klaus Manz

Dieser Artikel erschien in der Juli/Augustausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel. Ein kostenloses Probeexemplar erhalten Sie hier.