Das Kaufhaus Schickedanz in Hersbruck sollte beweisen, dass ein Nahversorgerkonzept für kleine Warenhäuser greift. Zudem sollte hier ein Stück Quelle bewahrt werden. Nun ist es anders gekommen.

Was für ein Idyll: Biergarten vor der Eingangstür, eine gemütliche Fußgängerzone - eine schöne Kulisse für ein kleines Kaufhaus. Als Harald Herbrig hier im Juli 2009 den Betrieb wiedereröffnete, da hatte dieser Akt etwas Besonderes - schließlich handelte es sich um das Schickedanz-Kaufhaus.

Der neue Inhaber sorgte für die Wiederbelebung eines deutschen Einzelhandelsymbols. Hier in Hersbruck, in der Braugasse, hatte Grete Schickedanz, die Frau des Quelle-Gründers Gustav, 1946 einen Textilladen eröffnet. Daraus erwuchs ein kleines Kaufhaus, "Lädle" genannt und später am Eisenhüttlein beheimatet.

1948 bewältigte die Familie Schickedanz dann den Neustart von Quelle nach dem Krieg. Den einstigen Versandriesen gibt es nicht mehr - im Dezember 2009 kam das Aus für das Unternehmen. Wenigstens das Kaufhaus-Schickedanz konnte aber gerettet werden.

Schwarze Zahlen in Hersbruck

Doch nun steht auch das letzte Vermächtnis von Quelle vor dem Aus. Herbrig hat nun für seine Kaufhausgruppe beim Amtsgericht Regensburg Insolvenzantrag gestellt, schreibt die "Hersbrucker Zeitung".

Dem Kaufmann gehören drei kleine Warenhäuser: in Waldmünchen, in Rötz - und das Schickedanz-Kaufhaus in Hersbruck. Herbrig betont, dass der Standort Hersbruck schwarze Zahlen schreiben würde - allerdings räumt er ein, dass hier 16 von 25 Mitarbeitern seit Monaten auf Gehälter warten würden, um ihren Arbeitsplatz zu retten. Der bisherige Geschäftsführer, Frank Tiedmann, hat Anfang Mai das Kaufhaus verlassen.

Laut "Hersbrucker Zeitung" führt Herbrig die Krise seiner Gruppe auf die schlechte Entwicklung der oberpfälzer Standorte Waldmünchen und Rötz zurück. So leide das Innenstadt-Kaufhaus Reitmeier in Waldmünchen im Landkreis Cham unter der neuen Konkurrenz eines neuen Einkaufszentrums, das im vergangenen Jahr am Stadtrand eröffnet wurde und Textil- und Lebensmittelmärkte sowie Parkplätze bietet.

Technik und Mode

Sechs Wochen hat nun der Insolvenzverwalter Siefried Beck Zeit, die Zukunftschancen der drei kleinen Kaufhäuser auszuloten und dem Amtsgericht Bericht zu erstatten. 

Herbrig sieht wenigstens für den Standort Hersbruck eine Überlebenschance. Er spricht von einem neuen Investor, der sich das Haus bereits angesehen habe und auf die Sortimente Technik und Mode setzen würde.

Sollte der Investor den Zuschlag bekommen, könnte das auch die Rettung für "möglichst viele" Jobs in Hersbruck sein, spekuliert Herbrig.

Der Verkauf in den beiden Hersbrucker Kaufhäusern (es gibt noch ein Technik-Haus) gehe unvermindert weiter, versichert Herbrig. Umsatzeinbrüche gäbe es nicht. Für Ende dieser Woche wird erwartet, dass sich der Insolvenzverwalter erstmals über die wirtschaftliche Lage sämtlicher Herbrig-Häuser äußert.