Bundesweit wurde gestreikt, vor der Zentrale demonstriert. Verdi hatte bei Kaufland zum Ausstand aufgerufen. Derweil gingen in Hamburg die Tarifverhandlungen weiter.

Im Einzelhandels-Tarifstreit hat die Gewerkschaft Verdi am Mittwoch nach eigenen Angaben mehr als 2.000 Mitarbeiter der SB-Warenhauskette Kaufland vor der Zentrale in Neckarsulm zusammengetrommelt. "Es geht darum, dass der Tarifertrag endlich zum Abschluss kommt", sagte Verdi-Bundesvorstand Stefanie Nutzenberger in Neckarsulm.

Bundesweit rief die Gewerkschaft Kaufland-Mitarbeiter zu Warnstreiks auf. Kaufland sei einer der Marktführer, betonte Nutzenberger. "Die Kollegen und Kolleginnen hier machen deutlich, dass sie einen Tarifvertrag wollen."

Monatelange Verhandlungen

Seit Monaten verhandelt die Gewerkschaft in mehreren Bundesländern mit den Arbeitgebern - es gibt keinen bundesweit einheitlichen Tarifvertrag. "Seit mehr als einem halben Jahr vertreten die Arbeitgeber die unzumutbare Position, dass die Beschäftigten deutliche Gehalts- beziehungsweise Lohnkürzungen hinnehmen müssten. Auch die Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte bei den Arbeitszeiten sollen aus Sicht der Händler eingeschränkt werden", schreibt Verdi in einer Mitteilung.

"Das empört nicht nur die Kaufland-Beschäftigten, aber diese ganz besonders, da der Konzern sowohl jahrelang die Arbeitszeiten nicht korrekt bezahlt als auch ganze Beschäftigtengruppen zu niedrig eingruppiert hat. Die Kaufland-Kassiererinnen haben sich vor dem Bundesarbeitsgericht ihre Eingruppierung erstritten, die die Arbeitgeber - damit auch Kaufland - mit den von ihnen angestrebten tariflichen Einschnitten wieder einkassieren wollen", heißt es weiter.

"Menschen haben Recht auf Tarifvertrag"

In Hamburg trafen sich die Tarifparteien am Mittwoch zur fünften Verhandlungsrunde. Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit mehr als 2,7 Millionen Beschäftigten in der Branche höhere Löhne und die Wiedereinsetzung des Manteltarifvertrags, der in fast allen Bundesländern gekündigt wurde. Die Einzelhändler wollen dagegen unter anderem Änderungen bei den Lohngruppen - in Baden-Württemberg beispielsweise geht es um Kassierer und Regalauffüller.

"Der Tarifvertrag ist im Einzelhandel ein Mindeststandard", sagte Nutzenberger. "Die Menschen haben ein Recht darauf, dass er wieder in Kraft ist." Die Tarifbindung ist in der Branche zwar nicht sehr hoch, viele Einzelhändler orientieren sich aber an den Verträgen. In Baden-Württemberg sind nach Angaben des Handelsverbands nur etwa 50 Prozent der Einzelhändler in der Tarifbindung.

Erst vergange Woche war es bei Karstadt zu Warnstreiks gekommen. Verdi will Karstadt zur Rückkehr in die Tarifbindung zwingen, nachdem das Unternehmen im Mai einseitig eine "Tarifpause" verkündet hatte.