Die Deutschen konsumieren lieber als angesichts niedriger Zinsen zu sparen. Auch im Rest Europas hellen sich die Wirtschaftsaussichten so langsam auf, meldet die GfK.

In Deutschland hat der private Konsum 2013 stärker zugelegt als im Vorjahr  - und somit die Binnenkonjunktur nachhaltig gestützt, meldet das Marktforschungsunternehmen GfK. Und das Wachstum dauert offenbar an: Die Ausgaben der privaten Haushalte in Deutschland werden im Jahr 2014 real um 1,5 Prozent steigen, so die Prognose der Marktforscher. Für die gesamte europäische Union erwartet die GfK einen Anstieg zwischen 0,5 und 1 Prozent. Deutliche Umsatzsteigerungen prognostiziert die GfK für den Lebensmittelhandel, während der restliche Einzelhandel voraussichtlich nur moderat wachsen werde. Im Trend liegen demnach Ausgaben für Immobilien, Renovierungen und Reisen.

Der wirtschaftliche Aufschwung verspreche auch eine andauernde positive Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt. Entsprechend groß sind demzufolge die Hoffnungen der Verbraucher, dass sich dies auch in ihren Löhnen niederschlägt: Der GfK-Indikator für die Einkommenserwartung lag im Januar immerhin auf dem höchsten Wert seit 13 Jahren. "Angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage denken die Verbraucher, dass es derzeit günstig ist, größere Anschaffungen zu tätigen", so der GfK-Vorstandsvorsitzende Matthias Hartmann. Der GfK-Indikator für die Anschaffungsneigung erreichte im Januar ein Sieben-Jahres-Hoch.

Qualität und Service zählen wieder mehr

Gleichzeitig bleiben die Guthaben- und Darlehnszinsen auf sehr niedrigem Niveau. Als Folge ist die Sparneigung auf einem historischen Tiefststand. "Wer es sich leisten kann, investiert sein Geld gerne in Immobilien", erläutert Hartmann. Laut Schätzungen des ifo-Instituts stieg die Zahl der Wohnungsbaufertigstellungen im Jahr 2013 um rund 16 Prozent. Aber auch Renovierungen liegen im Trend: Laut GfK-Berechnung legten die Ausgaben hierfür im vergangenen Jahr um 5 Prozent zu, was rund 1,7 Milliarden Euro entspricht. Von der positiven Konsumstimmung hat demnach auch die Tourismusindustrie profitiert: Die Ausgaben für Urlaubs- und Privatreisen stiegen 2013 um 8 Prozent oder rund 5,9 Milliarden Euro.

Im deutschen Handel zeigten sich den GfK-Zahlen zufolge unterschiedliche Entwicklungen. Die Umsätze im Lebensmittelhandel und bei Drogeriemärkten stiegen im Jahr 2013 um 2,7 Prozent - vor allem, weil die Preise gestiegen sind. "Die Verbraucher sind bereit, mehr Geld für Qualität und Service auszugeben", folgert der GfK-Chef. Die verkaufte Menge hingegen ging mit einem Minus von 0,5 Prozent nach wie vor zurück.


Im sogenannten Non-Food-Handel, zu dem Segmente wie Textilien, Elektroartikel, Möbel oder Heimwerkerbedarf gehören, stieg der Umsatz im Jahr 2013 nur um 0,2 Prozent auf knapp 151 Milliarden Euro. Positiv, wenn auch nicht mehr so stürmisch wie in den vergangenen Jahren, habe sich der Onlinehandel entwickelt: Er verzeichnete ein Plus von 8 Prozent. Entsprechend schwierig gestalte sich das Umfeld für den stationären Handel.

Finanzkrise noch nicht ganz ausgestanden

In diesem Jahr wird sich der Anstieg der Preise aber wieder abschwächen, sind die Marktfoscher überzeugt. Die europäische Finanzkrise sei zwar noch nicht ganz ausgestanden, die deutschen Verbraucher werden jedoch auch in diesem Jahr ihr Einkaufsverhalten deswegen vermutlich nicht nennenswert verändern. Die GfK prognostiziert für das Jahr 2014 eine nominale Umsatzsteigerung von 2,3 Prozent im Lebensmittelhandel und den Drogeriemärkten bei einem weiterhin rückläufigen Mengenkonsum. Der Non-Food-Umsatz im Einzelhandel wird demnach voraussichtlich um 0,6 Prozent steigen.

Die zentrale Rolle für das positive Konsumklima spielt der Arbeitsmarkt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Jahresdurchschnitt 2013 insgesamt 2,95 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einer Quote von 6,9 Prozent. Dass diese Zahlen durchaus positiv zu bewerten sind, zeige sich bei einem Vergleich mit den europäischen Nachbarn: Nur in Deutschland sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorkrisenniveau des Jahres 2007 - und zwar um 37 Prozent. Im Gegensatz dazu stieg die Arbeitslosigkeit deutlich, in den Krisenländern Griechenland, Spanien und Irland sogar um das Zwei- bis Dreifache.

Aussichten hellen sich etwas auf

"Zum ersten Mal seit mehreren Jahren haben sich die Wirtschaftsaussichten weltweit, vor allem aber in Europa, aufgehellt", so Hartmann. "Trotz der noch sehr schwachen Wirtschaftserholung im vergangenen Jahr sind die deutschen Exporte um 3 Prozent gestiegen. In diesem Jahr wird es voraussichtlich ein Plus von 4 Prozent geben." Auch die Ausfuhren in die Europäische Union werden wieder zunehmen, ist er überzeugt. Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland soll laut EU-Kommission in diesem Jahr um 1,7 Prozent ansteigen, nach 0,4 Prozent im Jahr 2013.

Doch nicht nur in Deutschland soll die Wirtschaftskraft wieder stärker zulegen. Für Europa rechnet die EU-Kommission mit einem Wachstum von durchschnittlich 1,4 Prozent nach einer stagnierenden Entwicklung im vergangenen Jahr. Auch die europäischen Verbraucher teilen diesen Optimismus offenbar: Vom letzten Quartal 2012 bis zum vierten Quartal 2013 ist der Indikator der Konjunkturentwicklung in fast allen Ländern zum Teil sehr deutlich angestiegen. "Sogar in den Krisenländern Spanien, Portugal und Griechenland rechnen die Menschen mit einem Anziehen der Konjunktur."

Neue Jobs nötig

Bis sich das Wirtschaftswachstum jedoch in einer Erholung des Arbeitsmarkts niederschlägt, wird es den Forschern zufolge noch bis mindestens 2015 dauern. Dies zeige sich auch in der Entwicklung der Anschaffungsneigung in Europa. Die Stimmung bei den Verbrauchern habe sich vom vierten Quartal 2012 bis zum vierten Quartal 2013 zum Teil deutlich verbessert.

Das Niveau der Konsumneigung in Europa sei noch jedoch deutlich unterdurchschnittlich: Erst wenn die Unternehmen in der Lage seien, neue Jobs zu schaffen, und die Arbeitslosigkeit in der Folge deutlich sinkt, könne auch die Anschaffungsneigung der Verbraucher wieder deutlicher steigen. "Erst dann werden die Menschen in der Europäischen Union in der Lage sein, den wirtschaftlichen Aufschwung auch durch ihr Konsumverhalten zu stärken.", so der Marktforscher.