Die Abwrackprämie fällt weg, Benzin wird teurer, die Arbeitslosigkeit könnte steigen: Der private Konsum schwächelt derzeit etwas, meldet die GfK. Und hofft, dass die Konjunktur bald anzieht.

Das Konsumklima hat im Herbst einen leichten Dämpfer erhalten. Sowohl die Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung müssen Einbußen hinnehmen, meldet die GfK.

Ihrer Konsumklimastudie MAXX zufolge kann die Konjunkturerwartung dagegen ihren Aufwärtstrend auch im Oktober fortsetzen: Der Gesamtindikator prognostiziert nach revidiert 4,2 Zählern im Oktober für November einen Wert von vier Punkten.

"Die Meldungen der vergangenen Wochen, wonach sich die Konjunktur in Deutschland schneller erholen könnte als bislang prognostiziert, sorgen dafür, dass die Konjunkturaussichten optimistischer beurteilt werden", schreiben die Nürnberger Konsumforscher. "Allerdings betrachten die Bundesbürger ihre eigene wirtschaftliche Lage, auch vor dem Hintergrund zunehmender Arbeitsmarktprobleme, etwas weniger zuversichtlich." 
 

Anschaffungsneigung geht zurück

Der befürchtete Einbruch bei der Beschäftigung sei jedoch bislang ausgeblieben. Im Zuge sinkender Einkommenserwartungen muss der Studie zufolge allerdings auch die Anschaffungsneigung Einbußen hinnehmen. Ein Grund dafür sehen die Konsumforscher auch die Ende September ausgelaufene Abwrackprämie.

Der Aufwärtstrend bei den Konjunkturerwartungen der Bundesbürger bleibe im Herbst jedoch ungebrochen: Der Indikator legt im Oktober um gut 5 Punkte zu und weist nun 8,7 Zähler auf. Das ist bereits der siebte Anstieg in Folge. "Die Konsumenten gehen zunehmend davon aus, dass der konjunkturelle Erholungsprozess doch etwas schneller einsetzen wird als noch vor einigen Monaten erhofft", schreibt die GfK. So wurden in den vergangenen Wochen die Wachstumsprognosen für das laufende sowie das kommende Jahr deutlich nach oben revidiert.

BIP sinkt, aber weniger als gedacht

Das Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute geht inzwischen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um fünf Prozent sinken wird. Bisher gingen die Experten von einem Rückgang um sechs Prozent aus. Im kommenden Jahr solle es sogar um 1,2 Prozent wachsen. Im Frühjahr dieses Jahres wurde noch ein Minus von 0,5 Prozent erwartet.

Auch der aktuelle ifo-Geschäftsklimaindex deutet der GfK zufolge mit einem Plus von 0,6 Punkten auf eine weitere vorsichtige Erholung der Konjunktur. Vor allem die allmähliche Erholung des Welthandels, die auch die bundesdeutschen Exporte wieder stimulieren dürfte, werde eine wichtige Rolle spielen.

Dieses optimistischere Szenario kann der GfK zufolge berechtigte Hoffnung machen, dass die Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt weniger dramatisch verlaufen dürfte als noch vor wenigen Monaten prognostiziert. So gehen die Institute aktuell davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr im Durchschnitt auf 4,1 Millionen ansteigen wird. Vor einem halben Jahr wurden noch 600.000 mehr Arbeitssuchende prognostiziert.

Einkommenserwartung: moderater Rückgang

Nach vier Anstiegen in Folge muss die Einkommenserwartung im Oktober jedoch kleine Einbußen hinnehmen. Mit einem Rückgang von 3,1 Punkten falle der Verlust jedoch moderat aus. Aktuell weist der Indikator einen Wert von 12,9 Punkten auf. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat ist das noch ein Plus von knapp 26 Punkten.

Der Rohölpreis ist im Oktober dieses Jahres allerdings wieder deutlich gestiegen und hat Mitte des Monats sein Vorjahresniveau überschritten. "Deshalb ist davon auszugehen, dass vom Energiemarkt in der nächsten Zeit keine weiteren preisdämpfenden Einflüsse ausgehen werden", prognostizieren die Konsumforscher.

Die niedrigen Rohölpreise waren hauptverantwortlich für die geringe Inflation im ersten Halbjahr 2009: "Folglich wird dieser kaufkraftstärkende Stimulus für die Einkommensaussichten an Wirkung verlieren." Auf der anderen Seite sorge der massive Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel in diesem Bereich weiterhin für stabile Preise.

Anschaffungsneigung trotz Einbußen auf gutem Niveau

Die Anschaffungsneigung kann im Oktober ihr bisheriges Niveau nicht länger halten, haben die Nürnberger Konsumforscher ermittelt. Der Indikator muss ein Minus von rund zehn Punkten hinnehmen. "Mit einem aktuellen Wert von 26,1 Punkten weist er dennoch einen vergleichsweise guten Wert auf", schreibt die GfK. "Dies belegt auch die Tatsache, dass die Konsumneigung derzeit mehr als 44 Punkte über ihrem entsprechenden Vorjahresstand liegt."

Dieser Rückgang sei zum einen auf die gemäßigten Einkommenserwartungen zurückzuführen. Zum anderen gehen die Preiserwartungen der Konsumenten  offenbar nicht mehr weiter zurück. Hier ist nach Meinung der GfK ein Wendepunkt erreicht: "Die Inflationsrate dürfte in den kommenden Monaten wieder in den positiven Bereich wandern, wofür vor allem die Energiepreise verantwortlich sein werden", schreiben die Konsumforscheer.

Schließlich sei mit dem Auslaufen der Abwrackprämie eine weitere Stütze der Konsumneigung weggebrochen. Die überaus erfreuliche Entwicklung des Indikators in den vergangenen Monaten war neben dem ruhigen Preisklima auch auf viele subventionierte Autokäufe zurückzuführen.

Nur leichter Rückgang beim Konsumklima

Der Gesamtindikator prognostiziert für November einen Wert von 4 Punkten nach revidiert 4,2 Zählern im Oktober. Damit muss das Konsumklima zum ersten Mal seit September 2008 wieder einen Rückgang hinnehmen. Dennoch bleibt der Indikator deutlich im positiven Bereich, wenn auch das Niveau im langfristigen Vergleich weiterhin eher bescheiden ausfällt. So liegt der Durchschnittswert seit der Wiedervereinigung bei neun Punkten und damit deutlich über dem aktuell ermittelten Stand.

"Trotz dieses kleinen Rückschlags bleibt der private Konsum in diesem Jahr die wesentliche Stütze der deutschen Wirtschaft", fassen die GfK-Forscher die aktuelle Konsumlust der Deutschen zusammen. "Denn Investitionen und Exporte werden 2009 mit einem dicken Minus abschließen."
 
Ob der private Konsum auch im kommenden Jahr diese stützende Funktion erfüllen kann, bleibe jedoch abzuwarten: Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit würde auch die Binnenkonjunktur belasten. Aufgrund der leicht aufgehellten Konjunkturaussichten für 2010 hoffen die Forscher allerdings, dass der ursprünglich befürchtete Einbruch bei der Beschäftigung ausbleibt und die Arbeitslosigkeit weniger stark ansteigt als vorhergesagt.