Der angeschlagene Baumarktkonzern Praktiker spürt den kalten Frühling deutlich: Die Umsätze im ersten Quartal 2013 brachen ein. Doch das Management sieht sich auf dem richtigen Weg.

Im ersten Quartal 2013 sank der Konzernumsatz der Praktiker AG gegenüber dem Vorjahr um 10,4 Prozent auf 570,1 Millionen Euro. Gleichzeitig erhöhte sich der operative Verlust von 59,1 auf 91,7 Millionen Euro.

"Das schneereiche und viel zu kalte erste Quartal 2013 hat im Geschäftsverlauf der Praktiker AG tiefe Bremsspuren hinterlassen und den Aufwärtstrend der Vormonate unterbrochen", erklärte der Vorstandsvorsitzende Armin Burger am Donnerstag vor der Presse in Hamburg.

Umgeflaggte Märkte mit besserer Rohertragsmarge

Am geplanten Sanierungskurs will Burger festhalten: "Unter erschwerten Rahmenbedingungen konnten wir das Kernstück dieses Prozesses, den Umbau weiter Teile des deutschen Praktiker-Filialnetzes auf die Marke Max Bahr, planmäßig voranbringen, und planmäßig fahren wir damit in der zweiten Jahreshälfte fort." Das Restrukturierungskonzept des Konzerns sieht vor, insgesamt 120 der rund 230 Praktiker-Standorte zu Max-Bahr-Märkten umzurüsten.

Eine Analyse der Geschäftsentwicklung der ersten, seit Herbst 2012 umgestellten Welle von Märkten, habe gezeigt, dass die Rohertragsmarge an diesen Standorten unabhängig vom erzielten Umsatz alsbald das Niveau der bewährten Bestandsmärkte von Max Bahr erreichte, teilt das Unternehmen mit. "Das wollten wir sehen, darauf kommt es an", so Burger, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Im Übrigen hofft der ehemalige Aldi-Manager, dass sich mit dem Wetter nun auch die Umsätze bessern.

Der Umsatzrückgang im ersten Quartal betrug auf vergleichbarer Fläche 8,8 Prozent. Das Türkei-Geschäft, für das im Februar ein Planinsolvenzverfahren eröffnet wurde, ist hierbei ebenso wenig berücksichtigt wie die Luxemburger Tochter bâtiself, deren Veräußerungsprozess laut Praktiker kurz vor dem Abschluss steht.

Rabattaktionen belasten das Ergebnis

Der Umsatz in Deutschland sank im Berichtzeitraum um 9,9 Prozent (flächenbereinigt 7,7 Prozent) auf 457,7 Millionen Euro ab. Laut Praktiker liegen die Umsatzeinbußen im Frühjahr unter dem Branchendurchschnitt. Das Unternehmen räumt allerdings ein, dass die Umsätze "durch erhebliche Preiszugeständnisse bei Werbeaktionen erkauft wurden", dies habe das Bruttoergebnis belastet. Von Rabattaktionen, die Praktiker nach Meinung vieler Branchenbeobachter zum Sanierungsfall gemacht haben, wollte die neue Führung im Grunde Abstand nehmen.

Das Auslandsgeschäft war ebenfalls rückläufig. Es erreichte - ohne die Türkei und Luxemburg - 112,4 Millionen Euro und lag damit um 12,5 Prozent (flächenbereinigt 12,9 Prozent) unter dem Vergleichswert des Vorjahres.

Ende Mai wird Finanzvorstand Markus Schürholz das Unternehmen verlassen. Ulrich Gehrmann, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Kontron AG, ist als Nachfolger benannt.