Große Erwartungen, große Ernüchterung: Der Einzelhandel machte am dritten Adventswochenende schlechte Geschäfte. Sagt der Handelsverband. Doch in manchen Regionen sieht die Lage anders aus.

Es habe "keinen Durchbruch" gegeben, teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) mit. "Auch in der vergangenen Woche setzte sich das Auf und Ab im diesjährigen Weihnachtsgeschäft fort, das den Handel bisher noch nicht zufrieden stellen konnte", sagte Verbandssprecher Hubertus Pellengahr.

Hoffen auf das Christfest

Deutlich zufriedener zeigten sich die Geschäftsleute überall dort, wo es kalt und winterlich war. Vor allem in Süddeutschland hatte es am Wochenende geschneit. Für die kommende Woche und das letzte Adventswochenende seien die Erwartungen nun hoch gesteckt.

"Je näher das Christfest kommt, desto mehr Bundesbürger sind auf der Suche nach Geschenken", betonte Pellengahr.

Jubel nicht nur in Hamburg

Pellengahrs pessimistische Adventsbilanz gilt aber nicht für den gesamten deutschen Einzelhandel. Hamburs Einzelhandelssprecher Ulf Kalkmann jubelte regelrecht über den Kundenansturm am vergangenen Samstag in der Hansestadt. "Wir reden gar nicht über eine Finanzkrise - weil das Weihnachtsgeschäft so gut läuft, als hätten wir keine", sagte Kalkmann der Zeitung "Die Welt". Der Geschäftsführer des Hamburger Einzelhandelsverbandes sprach von einem "sehr guten" Samstag.

Auch in Potsdam zogen die Händler eine gute Bilanz. So habe der dritte Advent das "bisher stärkste Wochenende" für die Region gebracht, wie es Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg in der "Märkischen Allgemeine" formulierte. Der Kälteeinbruch sei für die guten Geschäfte ausschlaggebend gewesen. "Wir hatten einfach die Glückskarte mit dem Wetter", sagte Busch-Petersen.

Ein zufriedenes Fazit zieht auch der Rheinische Einzelhandels- und Dienstleistungsverbands (REHDV). Im Vergleich zum vergangenen Wochenende seien mehr Kunden in die Innenstädte gekommen, sagte der Geschäftsführer Jens Meyer. Der Verband umfasst unter anderem die Städte Düsseldorf und Mönchengladbach.

Insgesamt erwartet der HDE im diesjährigen Weihnachtsgeschäft einen Umsatz von rund 73 Milliarden Euro und damit ein Minus von 1,5 Prozent.

Weniger im Geldbeutel

Die Ergebnisse zweier neuer Studien der GfK Nürnberg sind ebenfalls ungünstig für den Einzelhandel. Demnach würden die Deutschen im kommenden Jahr über eine Kaufkraft von 1550,2 Milliarden Euro verfügen. Das seien etwa 7,5 Milliarden weniger als 2009, zitiert die "Welt am Sonntag" aus der Studie.

Auch im Jahr 2010 werden dieselben drei Landkreise wie 2009 über die höchste Kaufkraft verfügen. Auf Platz liegt der Hochtaunuskreis (Hessen) mit 27.426 Euro, gefolgt vom Landkreis Starnberg (27.095 Euro) und dem Landkreis München mit 26.057 Euro pro Person.

"Preiskämpfe gehen weiter"

In Deutschland können sich die Verbraucher zudem auf niedrigere Preise im Lebensmittelhandel einstellen. Die Preiskämpfe würden im kommenden Jahr weitergehen, sagte der GfK-Chef Klaus Wübbenhorst, der Zeitung "Die Welt".

Bereits in diesem Jahr hatten die Discounter in mindestens zwölf Runden die Preise für wechselnde Grundnahrungsmittel gesenkt. Meist führte Aldi diese Runde an. Beim Konsum erwartet Wübbenhorst 2010 eine Stagnation, aber keinen Rückgang. Wie das Jahr an den Ladenkassen verlaufen werde, hänge maßgeblich von der Entwicklung der Arbeitslosenzahl ab.