Die Lage für Arcandor wird immer bedrohlicher: Laut dpa lehnt der Bund einen Notkredit für den angeschlagenen Handelskonzern ab. Das Unternehmen will aber nicht aufgeben.

Arcandor bekommt keinen Notkredit der Bundesregierung - das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Montag in Berlin aus Regierungskreisen. Der Beitrag der Banken, Eigentümer und Vermieter sei zu gering, hieß es. Ob die Entscheidung endgültig ist, blieb zunächst offen, heißt es in der dpa-Meldung.

Arcandor hatte staatliche Rettungsbeihilfen in Form eines Kredites von 437 Millionen Euro beantragt, um eine noch diese Woche drohende Insolvenz abzuwenden. Zuletzt hatte der Bund ein stärkeres Engagement auch der Eigentümer und Gläubiger von Arcandor sowie der Vermieter bei der Sanierung des Konzerns verlangt.

Insolvenz rückt näher

Eine Insolvenz von Arcandor rückt damit immer näher. An diesem Freitag läuft eine Kreditlinie über 650 Millionen Euro aus. Spätestens bis dahin muss ein Rettungskonzept stehen.

Arcandor bekommt ebenfalls keine Staatsbürgschaft aus dem "Wirtschaftsfonds Deutschland". Der Lenkungsausschuss des Fonds hatte einen entsprechenden Antrag an diesem Montag abgelehnt.

Neuer Anlauf, neue Frist

Unterdessen hat der Handels- und Touristikkonzern einen neuen Anlauf für den Notkredit angekündigt. Die beantragte Rettungsbeihilfe über 437 Millionen Euro werde nur gewährt, wenn es über die bereits vorhandenen Zusagen weitere Beiträge gebe, teilte die Arcandor AG mit.

Banken, Vermieter und Eigentümer müssten für weitere Zugeständnisse gewonnen werden. Aus diesem Grund werde der Vorstand erneut die Gespräche mit den Beteiligten suchen.

Offenbar gibt es sogar noch Chancen auf diesen Kredit. Denn Arcandor erhält eine letzte kurze Frist, "um einen neuen, substanziell verbesserten Antrag" auf Rettungsbeihilfen zu stellen. Das verlautete aus Kreisen des Bundesfinanzministeriums in Berlin.

Ablehnung "eine Katastrophe"

Entsetzt hat der Quelle-Betriebsrat auf erste Informationen über eine mögliche Ablehnung des Rettungskredites reagiert. "Es ist eine Katastrophe, was da abläuft", sagte der Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel dpa in Nürnberg. Zigtausende Existenzen stünden auf dem Spiel. "Wir fühlen uns als Opfer."

Die Politik mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Spitze habe sich überhaupt nicht die Mühe gemacht, sich die Situation bei Arcandor (früher KarstadtQuelle) genau anzuschauen, kritisierte Sindel. "Anders als die Industrie hat der Handel keine Lobby", sagte er mit Blick auf die Hilfen für Opel. "Wir haben keine Abwrackprämie bekommen." Stattdessen exekutiere die Politik gnadenlos ein Exempel.