Es gibt sie noch, die stillen Helden des E-Commerce. Dazu zählt die kleine Softwareschmiede Automattic in den USA, deren Software Wordpress sich als feste Größe unter den Contentmanagementsystemen etabliert hat. Jetzt macht der Gründer sein Haus fit für den E-Commerce - mit einer der größten Übernahmen der bisherigen Firmengeschichte.


Das CMS Wordpress, ursprünglich als Blog-Software gestartet, treibt inzwischen nach eigenen Angaben mehr als 20 Prozent aller Webseiten an. Andere Schätzungen gehen sogar von einem noch höheren Marktanteil aus.

Rund um Wordpress hat sich ein buntes Ökosystem entwickelt. Dritthersteller bieten Design-Vorlagen, Dienstleistungen (z.B. spezielle Hosting-Pakete) und funktionale Erweiterungen des Basissystems in Form von Plug-ins an. Vor wenigen Tagen kündigte Automattic nun an, mit Woothemes einen dieser Anbieter übernehmen zu wollen.

Es geht um das Plug-in WooCommerce, das Wordpress um Shopfunktionen erweitert. Zwischen 600.000 und 1 Million Installationen sollen derzeit aktiv sein und Wordpress damit zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für kleinere Magento-Installationen oder Mietshops verwandeln. Denn im Gegensatz zum Shop von der Stange behält der Betreiber hier die volle gestalterische und funktionale Freiheit.

Billig wird die neue Übernahme indessen nicht. Mit angeblich 30 Mio. Dollar muss Automattic schon tief in die Tasche greifen, um sich die Assets von Woothemes zu sichern.

Bereits in der Vergangenheit wurden immer wieder einmal kleinere Lösungsanbieter übernommen, um Wordpress funktional zu ergänzen. “Buy it” lautete bereits die Entscheidung, als es darum ging, das Kernsystem besser gegen Hacking zu schützen (Übernahme von Brute Protect 2014) oder um Voting-Funktionen zu erweitern (2008 Polldaddy). Verglichen mit der anstehenden Integration von Woothemes in die Wordpress-Familie handelte es sich dabei eher um Schnäppchen.

Strategisch ist der Schritt absolut nachvollziehbar und kommt auch zur rechten Zeit. Automattic sieht als unmittelbare Konkurrenten Firmen wie Medium, Weebly oder Wix. Allesamt Enabler für Content-Geschäftsmodelle, die in der jüngsten Zeit ebenfalls nachfinanzieren konnten.

Mit der Integration der E-Commerce-Funktionen aus WooCommerce eröffnet sich für Mullenwegs Firma die Perspektive auf neue Erlösmodelle, zum Beispiel transaktionsbasierte Hosting-Angebote für Shops.

Hinter Wordpress und seinen imposanten Zahlen steckt ein verhältnismäßig kleines Unternehmen. Knapp 300 Mitarbeitern kümmern sich um die Weiterentwicklung des Basissystems, einer ganzen Reihe von Zusatzfunktionen sowie den Betrieb und Entwicklung der SaaS-Variante Wordpress.com. Die Visionen und Ideen seines Gründers Matt Mullenweg überzeugten im Jahr 2008 einige Kapitalgeber in einer ersten Finanzierungsrunde, die 12 Millionen Dollar in Automattic investierten. Erst im vergangenen Jahr trat die Firma zu einer zweiten Finanzierungsrunde an, die mit 160 Mllionen Dollar überaus erfolgreich war.

Für die Bestandskunden und Nutzer der Produkte von Woothemes soll sich mit der Übernahme nichts ändern. Bietet die Firma doch viele seiner Designvorlagen auch kostenfrei an.