Der Einstieg des Onlinehändlers Amazon in den Lebensmittelversand hat die Supermarktbetreiber nicht beeindruckt. Denn die Logistik ist aufwendig, und die Onlineware teuer.

Das große Zittern ist im deutschen Lebensmittelhandel nicht ausgebrochen, nachdem das Internet-Versandhaus Amazon mit 35.0000 Lebensmitteln an den Start gegangen ist.

Seit Anfang Juli können Kunden unter dem Dach von Amazon bei mehr als 60 Partner-Anbietern aus 25 Produktkategorien Güter des täglichen Bedarfs rund um die Uhr bestellen - auch Frischeprodukte wie Obst und Gemüse oder Fleisch und Fisch werden geliefert. Der Hamburger Versandhändler Otto plant ebenfalls Lebensmittel im Internet verkaufen.

Der Haken bei Amazon: Die Lieferung innerhalb Deutschlands dauert mindestens zwei bis fünf Tage. Außer in Frankfurt und Berlin, wo die Ware noch am selben Tag geliefert wird, wenn der Käufer die Bestellung vor 11 Uhr abgegeben hat.

Klassischer LEH fürchtet Konkurrenz nicht

Der klassische Lebensmittelhandel sieht dem Engagement von Amazon gelassen entgegen. In der Hamburger Edeka-Zentrale etwa ist von Unruhe nichts zu spüren.

"Warum soll ein Kunde frische Lebensmittel online kaufen, wenn er auf dem Heimweg alle zwei Kilometer einen Supermarkt findet, dessen Öffnungszeiten teils bis 22 Uhr gehen?", fragt Edeka-Pressesprecher Gernot Kasel im Fachblatt "Lebensmittel Zeitung direkt".

"Wir beobachten die Entwicklung von Amazon genau", sagt Rewe-Sprecher Andreas Krämer. Zumal das Unternehmen mit "Rewe-Express" gerade dabei sei, ersten eigenen Onlineerfahrungen zu sammeln.

Der Kieler Lebensmittelhändler Marten Freund betreibt neben zwei Filialen seit 2001 auch einen Onlineshop für Nahrungsmittel. Der Einstieg von Amazon schockt ihn nicht: "Ich stelle es mir von der Logistik her nicht einfach vor. Sollen sie doch machen."

Versand "äußerst problematisch"

Immerhin können sich acht Prozent der Deutschen vorstellen, frische Lebensmittel online zu bestellen, sagen die Marktforscher von Nielsen. "Das sind durchaus respektable Werte", betont Konsumforschungs-Direktorin Petra Kacnik von Nielsen.

Doch wer den Kunden zu Hause mit einem Supermarktsortiment beliefern will, der braucht eine funktionierende Kühlkette bis zum Kühlschrank des Verbrauchers, sagt Björn Weber, Forschungsleiter beim Informationsdienst Planet Retail. Seiner Meinung nach ist das Anbieten von kühlpflichtigen Waren über den klassischen Versandweg äußerst problematisch.

Pierre Pfeiffer

Dieser Artikel ist in der August-Ausgabe der Lebensmittel Zeitung direkt erschienen.