Und wieder heißt es, es gebe "keine wirtschaftlich vertretbare Perspektive" für eine Schlecker-Tochter. Diemal trifft es die Schlecker XL GmbH, zu der etwa 350 größere Filialen zählen.

Die mehr als 1.100 Mitarbeiter der Schlecker-XL-Filialen des insolventen Drogeriemarktanbieters verlieren nach einer Mitteilung des Gläubigerausschusses ihren Job.

"Leider konnte kein Komplettverkauf von Schlecker XL zusammen mit IhrPlatz erzielt werden", erklärte Insolvenzverwalter Werner Schneider. Wegen der tariflichen Einheit mit der insolventen Muttergesellschaft sahen die Investoren "ein viel zu großes und nicht kalkulierbares Risiko im Zusammenhang mit den Kündigungsschutzklagen".

Schneider bedauerte, dass die Beschäftigen bei Schlecker XL nun auch ihre Arbeitsplätze verlieren würden. Die Kündigungen würden voraussichtlich bis Mitte Juli versandt.

Eine weitere Überlebenschance habe hingegen die Tochter IhrPlatz, teilte der Gläubigerausschuss nach einer Sitzung am Donnerstag in München mit.
Die Gespräche mit einem Investor für die IhrPlatz-Filialen würden am Montag fortgesetzt.

Angst vor Tausenden von Klagen

Eine Welle von Kündigungsschutzklagen spielte eine entscheidende Rolle im letztlich erfolglosen Ringen des Insolvenzverwalters um das Überleben von Schlecker.

Eine frühere Schlecker-Mitarbeiterin aus Baden-Württemberg hat nun vor Gericht erfolgreich gegen ihre Kündigung geklagt. Das Arbeitsgericht Heilbronn entschied, dass bei der Sozialauswahl für ihre Kündigung grobe Fehler gemacht wurden, wie das Landesarbeitsgericht am Donnerstag in Stuttgart mitteilte.

"Die Kündigung ist unwirksam und das Arbeitsverhältnis besteht weiter", sagte ein Gerichtssprecher.

Urteil mit weitreichenden Folgen

Die Heilbronner Entscheidung könnte weitreichende Folgen für die Insolvenzverwaltung haben. Wird weiteren Ex-Mitarbeitern Recht zugesprochen, hätten diese rückwirkend Anspruch auf die Gehälter der vergangenen Monate. Ihren Arbeitsplatz können sie wegen der Auflösung von Schlecker jedoch nicht zurückerhalten.

Laut Geiwitz spiegelt die Entscheidung die größten Bedenken möglicher Investoren wider: "Der Fall zeigt das Problem sehr klar: Der Anspruch der Frau auf einen Arbeitsplatz geht auf einen Investor über. Aus diesem Grund sind auch alle Insellösungen gescheitert."

"Wenn jemand zum Beispiel 50 Filialen übernähme, könnten sich die bisherigen Schlecker-Mitarbeiter in diese Betriebsstätten einklagen oder es jedenfalls versuchen», sagte Geiwitz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dies gab nun anscheinend auch beim Aus für die XL-Filialen den Ausschlag.

Das endgültige Aus von Schlecker in dieser Woche hat noch eine weitere Konsequenz: Auch die bereits im Frühjahr entlassenen Mitarbeiter bekämen nun noch einmal eine Kündigung, betonte Geiwitz. "Wir müssen jetzt aus formalen Gründen allen noch einmal kündigen - weil es nun definitiv keine Betriebsstätten mehr gibt."