Nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch haben sich verschiedene Unternehmen einer Kampagne für mehr Sicherheit in den Textilfabriken angeschlossen. Textildiscounter KiK will nun Abkommen in allen Produktionsländern.

Nach den schweren Unfällen in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan drängt der Textildiscounter KiK auf eine Ausweitung des Brand- und Gebäudeschutzabkommens auf alle großen Produzentenländer.

Dazu zählt KiK-Manager Michael Arretz auch Indien, China, Vietnam, Indonesien und die Türkei. Als nächstes Land strebt Kik Pakistan an. "Unser Ziel ist es, in allen Regionen, also beispielsweise auch in Pakistan, die gleich hohen Standards an Produktionsbedingungen, Brandschutz und Gebäudesicherheit sicherzustellen", sagte Arretz am Freitag im westfälischen Bönen.

Tchibo gehört zu den Wegbereitern der Kampagne

Der Textildiscounter KiK hat seit geraumer Zeit durch die Brände in asiatischen Produktionsstätten ein Imageproblem.

Nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch mit mehr als 1.100 Toten haben sich inzwischen zahlreiche Unternehmen einer Kampagne für mehr Sicherheit in den Textilfabriken des Landes angeschlossen. Zu ihnen zählen neben KiK auch H&M, C&A, Tchibo, Primark, Aldi, Lidl, Esprit, Hess Natur, Rewe, S. Oliver, Metro, Ernsting‘s Family, Inditex/Zara, Benetton und Abercrombie & Fitch.

Nach Angaben der Clean Clothes Campaign (CCC) seien die Unternehmen PVH (Calvin Klein/Tommy Hilfiger) und Tchibo die Wegbereiter des verbindlichen Abkommens gewesen. Wal-Mart und Gap wollen hingegen offenbar nicht unterzeichnen. NKD will noch prüfen.

Zusammenarbeit mit Behörden

"Textilunternehmen können nur gemeinsam mit den Behörden vor Ort wirklich sicherstellen, dass definierte Standards für Brand- und Gebäudeschutz konsequent durchgesetzt und eingehalten werden", sagte Arretz. Es dürfe nicht mehr passieren, dass - wie im Fall von Rana Plaza - ein einzelner Fabrikbesitzer dafür gesorgt habe, dass in einem behördlich geräumten Gebäude weitergearbeitet werde.

Auch Deutschlands größter Handelskonzern Metro hatte angekündigt, die Initiative anderer Unternehmen für mehr Sicherheit in den Textilfabriken in Bangladesch zu unterstützen. "Sobald ein praktikabler Maßnahmenplan vorliegt, wird sich die Metro Group beteiligen", teilte der Düsseldorfer Konzern mit. Die dafür notwendigen finanziellen Mittel seien reserviert worden. Einen Betrag nannte Metro nicht. Metro betonte in der Erklärung, zu keinen der von Unglücken betroffenen Fabriken direkte Geschäftsbeziehungen gehabt zu haben.

Über eine Einkaufsgesellschaft in Hongkong arbeite der Konzern in Asien mit rund 1.200 Fabriken zusammen. Davon befänden sich mehr als 900 seit vielen Jahren in China. In Bangladesch arbeite Metro nur sehr selektiv mit Fabriken zusammen, da die Arbeitsbedingungen in vielen Fällen nicht den hohen Standards des Unternehmens genügten.

"Richtungsweisende Entscheidung"

Die "Kampagne für Saubere Kleidung" hat die Entscheidung der Textilunternehmen begrüßt, das Abkommen über Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch zu unterzeichnen. Die Unterzeichnung des rechtlich verbindlichen Abkommens sei eine richtungweisende Entscheidung und eine Chance für strukturelle Veränderungen in der Textilindustrie Bangladeschs.

Herzstück des Abkommens ist aus der Sicht der Kampagne die Verpflichtung der Handelshäuser und Marken, die Kosten für die Instandsetzungen und Maßnahmen zu zahlen. Dadurch würden finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um die Fabriken in Bangladesch sicher zu machen. H&M beispielsweise sei noch vor Wal-Mart einer der größten Einkäufer in Bangladesch.