Der koreanische Automobilhersteller Kia verfolgt auch auf dem deutschen Markt ehrgeizige Wachstumspläne, rollt zahlreiche neue Produkte in die Verkaufsräume und richtet sein Händlernetz neu aus.

Martin van Vugt redet erst gar nicht lange um den heißen Brei herum, nimmt nicht die Importeure oder die angeschlagenen deutschen Massenproduzenten Opel und Ford, sondern gleich den Branchenführer ins Visier: "Wir orientieren uns an Volkswagen".

Der Geschäftsführer von Kia Motors Deutschland verfolgt, ebenso wie der gesamte koreanische Konzern, ehrgeizige Ziele: "In Wolfsburg ist man sehr interessiert an dem, was wir tun. Das steigert unsere Gier nach Erfolg noch mehr", sagt der Niederländer in fließendem Deutsch mit sympathischem Akzent.

Dass Kia, gemeinsam mit der Schwestermarke Hyundai, das automobile Wettbewerbsfeld von hinten aufrollt, ist nun schon seit einigen Jahren zu beobachten. Weltweit legte Kia seit 2004 um 114 Prozent zu und belegt mit 2,4 Millionen produzierten Fahrzeugen pro Jahr bereits Rang 10. Gemeinsam mit Hyundai nimmt der Verbund schon Rang 5 ein. 

57,9 Prozent Absatzplus in den ersten vier Monaten

Für 2012 sind 2,8 Millionen Einheiten geplant und auch die Deutschland-Dependance in Frankfurt am Main legt ein stattliches Wachstumstempo mit einem Plus von 57,9 Prozent nach den ersten vier Monaten des Jahres vor: "55.000 Zulassungen in diesem Jahr, 100.000 im Jahr 2016", so die Pläne von Martin van Vugt, der seit mehr als 30 Jahren in der Branche tätig ist und nach Stationen bei Rover, Volvo und Mitsubishi am 1. Februar 2011 den Chefposten in der Kia-Zentrale in direkter Nachbarschaft der Frankfurter Messe übernahm.

So schnell wie die Koreaner wachsen, so eilig haben sie es auch bei der Erneuerung ihrer Produktrange. "In den Volumensegmenten ist kein Modell älter als acht Monate", verweist van Vugt sichtlich stolz auf die jüngsten Neueinführungen von Rio, Picanto, Optima und ganz aktuell dem neuen Ceed, der in der Kompaktklasse dem Branchenprimus VW Golf Marktanteile abjagen und im ersten vollen Verkaufsjahr 2013 rund 15.000 Kunden für die Marke erobern soll. Dann stehen auch die Kombiversion (Einführung im September 2012) und ab Frühjahr 2013 ein Zweitürer zur Verfügung.

13.990 Euro Einführungspreis

Foto: Kia
Foto: Kia
Bei der ersten Ausfahrt mit dem Ceed, der zur Markteinführung schon ab 13.990 Euro angeboten wird, wurde deutlich, dass der im europäischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim kreierte 4,31-Meter-Kompaktwagen tatsächlich das Zeug dazu hat, die hohen Erwartungen zu erfüllen.

Der Herausforderer gefällt mit tadelloser Verarbeitung, zwei sehr sparsamen Dieselmotoren (66 kW/90 PS und 94 kW/128 PS) und Ausstattungsoptionen wie eine von leichtgängig bis hart verstellbare Lenkung oder dem beheizten Lenkrad. Eine ausführliche Vorstellung des Kia Ceed lesen Sie in unserer großen Übersicht zur Kompaktklasse in der Juli-Ausgabe von Der Handel.

Ceed Kombi soll Flottengeschäft ankurbeln

Spätestens zur Markteinführung des Kombis (ab 15.190 Euro) will van Vugt dann auch im Flottenmarkt durchstarten. "25 bis 30 Prozent unserer Fahrzeuge gehen derzeit an Gewerbekunden. Wir lernen noch, aber wir wollen auch dieses Geschäft ausbauen."

Das gewonnene Selbstbewusstsein des Herstellers bekommen auch die Händler zu spüren. Alle bestehenden Verträge wurden gekündigt, um das Netz zu modernisieren und den Betrieben nachhaltiger die Einhaltung der Standards abverlangen zu können.
 

Rendite liegt dem Vernehmen nach bei fast zwei Prozent

"Die Lage bei unseren Partnern ist besser als je zuvor", will der Kia-Geschäftsführer von schlechter Stimmung nichts wissen: "Warum auch? Die Marge wurde erhöht und die Rendite stimmt. VW-Händler wären froh, wenn sie eine solche Rendite hätten." Dem Vernehmen nach liegt die Umsatzrendite der Kia-Betriebe bei nahezu zwei Prozent. Ein in der Branche beachtlicher Wert.

Wie viele der angestammten Partner mit insgesamt 520 Stationen die neuen Kontrakte unterschreiben sollen, möchte van Vugt nicht sagen, nur so viel: "Ich bin sicher, dass wir alle bekommen, die wir haben wollen und wer die Bedingungen nicht erfüllen möchte, muss aussteigen. Wir sind derzeit sehr gefragt."

Bernd Nusser