Die Mittelchen versprechen mehr Muskeln, weniger Appetit und wieder Lust auf Sex. Der Internet-Handel mit zweifelhaften oder verbotenen Medikamenten boomt. Gegen diese Händler wurde nun weltweit vorgegangen.

Mehr als 40 Länder – darunter auch Deutschland – haben sich vom 5. bis 12. Oktober an einer internationalen Aktionswoche gegen den Handel mit gefälschten und nicht zugelassenen Arzneimitteln im Internet beteiligt. "Ziel war es, massiv gegen die Anbieter dieser Produkte vorzugehen und gleichzeitig das Bewusstsein für die damit verbundenen Gesundheitsrisiken in der Bevölkerung zu schärfen", meldet das Bundeskriminalamt (BKA).

Im Rahmen der Aktion seien weltweit Festnahmen durchgeführt und tausende potentiell schädlicher Arzneimittel sichergestellt worden. In Deutschland wurden demnach rund 100 relevante Internetseiten identifiziert, auf denen illegale Arzneimittel zum Verkauf angeboten werden. Die professionelle Aufmachung der Seiten erschwere es dem Kunden, seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden, schreibt das BKA.

Die Angebote der unseriösen Anbieter umfassten lebenserhaltende, leistungssteigernde und muskelaufbauende Arzneimittel und sogenannte Lifestyle-Arzneimittel, wie etwa Arzneimittel zur Behandlung erektiler Dysfunktion, Haarwuchsmittel sowie Mittel zur Gewichtsreduktion und Appetitzügler.

Nebenwirkungen ungewiss

Die Medikamente enthielten zum Teil andere Wirkstoffe oder Wirkstoffstärken als angegeben. Einige der angeblich rein pflanzlichen Arzneimittel enthielten nicht deklarierte arzneiliche Wirkstoffe, wie beispielsweise den in der Europäischen Union nicht zugelassenen Wirkstoff Sibutramin. Dieser könne als Nebenwirkung sowohl den Blutdruck als auch die Herzfrequenz erheblich erhöhen.

Zudem könne die Einnahme zu Mundtrockenheit, Kopfschmerzen und Verstopfung führen. Weltweit sind dem BKA zufolge 34 Todesfälle bekannt geworden, die im Zusammenhang mit der Einnahme von Sibutramin stehen.

Operation Pangea III

Während der sogenannten Operation Pangea III führte der deutsche Zoll unter Federführung des Zollkriminalamtes bundesweit im Post- und Kurierdienstverkehr gezielte Intensiv-Kontrollen durch, um illegale Arzneimittel aufzuspüren. Dabei konnten bei den Zollstellen insgesamt 532 Paketsendungen mit rund 30.000 Tabletten sichergestellt werden.

Neben einer erheblichen Anzahl an Potenzmitteln, Dopingsubstanzen wie beispielsweise anabole Steroide und Wachstumshormone und überdosierten Vitaminpräparaten entdeckten die Beamten auch Anti-Depressiva.

Grundsätzlich verzeichnet die Zollverwaltung eine steigende Tendenz im Bereich des illegalen Handels mit Arzneimitteln: Die Zahl der bundesweit durch die Zollfahndung im Jahr 2009 geführten Ermittlungsverfahren stieg im Vergleich zum Vorjahr um 58 Prozent.