Um Blüten zu erkennen, benötigt man nicht nur technische Hilfsmittel. In Kassenpass-Seminaren lernen Teilnehmer beispielsweise, wie sich falsches Geld anfühlt und Gauner Kassenpersonal austricksen wollen

Der Trick ist einfach, aber wirkungsvoll. Dem "Kunden" fällt plötzlich ein, dass er auf dem Geldschein eine wichtige Telefonnummer notiert hat. Er bittet um Rückgabe der Note. Sobald die Kassiererin diesem Wunsch nachkommt, wird sie von einem zweiten "Kunden" in ein Gespräch verwickelt. Währenddessen tauscht der Mann mit der Telefonnummer den erhaltenen echten Schein mit der Blüte – und verschwindet.

Der Akt vollzieht sich meist, wenn die Kassiererin den ersten Schein bereits via UV-Licht auf dessen Echtheit überprüft hat. "Die meisten Mitarbeiterinnen vergessen dann die zweite Prüfung", sagt Wolfgang Dickmann, der nicht nur diesen Trick kennt, mit dem Betrüger Falschgeld unter die Leute bringen wollen. Dickmann ist gelernter Einzelhandelskaufmann und gibt seit sechs Jahren an der Bildungs- und Wirtschaftsakademie (BIWAK) in Berlin Kassenpass-Seminare. Das ist ein Weiterbildungsangebot für Menschen, die Interesse an einem Job speziell im Kassenbereich des Einzelhandels haben.

Vier Wochen dauert so eine Weiterbildung – an einem Tag steht auf dem Stundenplan, wie man Falschgeld erkennt. Es geht dabei nicht um die Prüfung per UV-Licht, "sondern um nichttechnische Erkennungsmethoden", wie es Dickmann formuliert. Er zeigt seinen Schülern beispielsweise, dass bei einer echten Euronote der Stichtiefdruck mit der Abkürzung der Europäischen Zentralbank in fünf Sprachen (BCE ECB EZB EKT EKP) zu fühlen ist, weil dieser sich von der Oberfläche abhebt.

Frauen sind sensibler

An drei Kassen im Seminarraum üben die Berliner Kursteilnehmer das Erkennen von Falschgeld, Dickmann schickt die Schüler ohne theoretische Unterweisung in die Übung, "ich lasse sie voll auflaufen. Umso größer ist der Aha-Effekt." Männer tun sich schwerer, gefälschte Noten zu erkennen, hat Dickmann festgestellt. "Frauen gehen sensibler mit Geld um."

Der Berliner Dozent sagt, dass das meiste Falschgeld dort in Umlauf gerät, wo keine Prüfgeräte mit UV-Licht vorhanden sind. Das ist nicht der Einzelhandel. Das größte Risiko geht vielmehr von Kiosken aus, wo weder technische Hilfsmittel noch geschultes Personal vorhanden sind.

Wie die Handelsfirmen ihre Mitarbeiter auf Falschgeld vorbereiten, ist offenbar Geheimsache, denn entsprechende Anfragen von Der Handel blieben meist ohne Erfolg. Nur die Metro Gruppe gab Auskunft. Der Konzern verlässt sich ebenfalls nicht nur auf die Technik. "Wir schulen unser Kassenpersonal für die Echtheitsprüfung mit dem sogenannten manuellen Dreier-Check: Fühlen der Oberfläche, Sehen der Banknote im Gegenlicht und Kippen der Banknote", sagt Stefan Scheiwe, Leiter Cash-Management. "Die Filialen können auch technische Hilfsmittel wie UV-Lampe, elektronische Tischtester oder zertifizierte Einzahlungsautomaten nutzen", betont Scheiwe.

Steffen Gerth

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1/2011 von Der Handel erschienen. Hier können Sie ein Probeheft bestellen.