Exklusiv: Der neue Ebay-Europachef Paul Todd spricht mit derhandel.de über Trends in USA und Europa, Freuden des Konsums und erste Erfolge bei der Neuausrichtung des Online-Marktplatzes.

Paul Todd
Paul Todd
Herr Todd, Sie haben lange im Silicon Valley gelebt. Hinken die deutschen Händler technologisch denen in den USA weit hinterher?

Nein, die gute Nachricht ist, dass sich die Handelstrends im Silicon Valley gar nicht groß von denen in Europa unterscheiden. Die Konsumenten wollen einen gute Verzahnung der Online- mit der Offlinewelt und beispielsweise auch die Möglichkeit haben, online bestellte Ware an einem Ort ihrer Wahl bequem abzuholen. Händler sollten daher heute nicht mehr zwischen E-Commerce und stationärem Ladengeschäft unterscheiden, sondern allein in der Kategorie "Handel" denken.

Das hört sich nach einem Loblied auf den stationären Handel an. Schaufeln Sie sich als Online-Marktplatz damit nicht das eigene Grab?

Im Gegenteil. Denn wir helfen Händlern und Herstellern aller Größen bei der Verzahnung der verschiedenen Kanäle. Über uns können sie ihre Kunden auf jedem Endgerät erreichen, egal ob diese gerade einen PC, ein Tablet oder ein Smartphone nutzen. Die Konsumenten haben ein einheitliches Einkaufserlebnis, weil sie immer genau dort weitermachen können, wo sie mit einem anderen Gerät aufgehört haben. Und der Händler muss die dazu notwendige Technologie nicht selbst vorhalten.

Wie sehen Ihre Prioritäten als neuer Europachef  aus?

Ich reise derzeit viel innerhalb Europas, um die Bedürfnisse und Wünsche unserer Händler und der Konsumenten in unseren Hauptmärkten wie Deutschland, Großbritannien und Spanien kennenzulernen. Gleichzeitig arbeiten wir weiter daran, den Konsumenten in inspirierender Art und Weise einen gelungenen Mix aus den Dingen des täglichen Gebrauchs und kleinen Schätzen, die ihnen Freude bereiten, anzubieten.

Wie kommen Ihre Neuerungen der letzten Zeit bei Händlern und Konsumenten an?

Sehr gut. In Deutschland haben wir beispielsweise inzwischen mehr als 200.000 so genannte Kollektionen, bei denen Nutzer ausgewählte und für sie interessante Artikel aus unserem Angebot unter einem Thema zusammenstellen und in sozialen Netzwerken mit Freunden und Followern teilen können. Zudem wurden unsere Mobile Apps inzwischen mehr als 260 Millionen Mal heruntergeladen, so dass Händler ihre Produkte gut 149 Millionen potenziellen Kunden in der ganzen Welt zugänglich machen können. Der grenzüberschreitende Handel gewinnt stetig an Bedeutung, allein unsere deutschen Händler haben beispielsweise im vergangenen Jahr ihre Ware in 210 verschiedene Länder verkauft.

Zur Person

Seit Juni 2014 ist Paul Todd Europachef des Online-Marktplatzes Ebay. Frühere Stationen des Briten, der Absolvent der Universität Cambridge ist, waren unter anderem die Unternehmensberatung McKinsey sowie das Internetunternehmen Google. Zuletzt war er für Ebay im kalifornischen Silicon Valley für die Marktplatz-Strategie verantwortlich. Todd führt die Europageschäfte von Zürich aus.

Interview: Sybille Wilhelm