Der Ingolstädter Autobauer Audi bekräftigt seine ehrgeizigen Ziele und will weltweit "Premium-Anbieter Nummer 1" werden.

Auf dem ehrgeizigen Weg zum "Premium-Anbieter Nummer 1" greift Audi die Konkurrenz aus München und Stuttgart nun auch von unten an: Ab September beginnt die Auslieferung des A 1, ein zweitüriger Kleinwagen auf der technischen Basis des Konzernbruders VW Polo - aber viel vornehmer versteht sich.

1,5 Millionen Verkäufe angestrebt

"Der A 1 wird uns helfen, die angestrebte Marke von 1,5 Millionen Zulassungen pro Jahr zu durchbrechen", umschreibt Audi-Chef Rupert Stadler den "strategischen Auftrag" des flotten Flitzers und ist überzeugt: "In diesem Jahr werden wir wohl wieder mehr als eine Million Fahrzeuge absetzen. Nach den ersten sechs Monaten liegen wir mit 20 Prozent im Plus und in China verzeichnen wir sogar 60 Prozent Wachstum."

Neue Käufergruppen im Visier

Mit dem kleinen Neuling, dessen Produktionskapazität im Werk Brüssel auf 100.000 Einheiten pro Jahr taxiert wird, wollen die Ingolstädter auf jeden Fall ganz neue Käufergruppen ansprechen: "Menschen unter 30 Jahre und auch der Frauenanteil dürfte bei diesem Modell bei 50 Prozent liegen", erwartet Peter Hirschfeld vom Audi-Produktmarketing. Damit wird das Privatkundengeschäft deutlich gestärkt.

Zweiter Versuch auf Polo-Basis

Zwar versuchten sich die Bayern von 1974 bis 1978, ebenfalls mit Polo-Unterstützung, schon einmal mit dem seligen Audi 50 in der Kleinwagenklasse, doch das rostige 50-PS-Wägelchen ist lange Geschichte und damit fast schon vergessen. Also kann sich die Erfolgsmarke voll auf die Eroberung neuer Käufer fokussieren.

Seit Monaten läuft dazu bereits die Werbemaschinerie auf Hochtouren. Am Münchner Flughafen ist Audi mit einer A-1-Welt ebenso großflächig und auffällig präsent wie etwa in der Bundeshauptstadt Berlin. Und bis zum 3. September wird der Wagen in angesagten Szene-Clubs auf Deutschland-Rocktour gehen.

Kleine Fahrzeuge auch bei Flotten im Trend

Die Zeiten für ein kleines, sparsames, aber keinesfalls spartanisches Auto sind jedenfalls günstig. Bei Privatkäufern liegt das sogenannte "Downsizing" im Trend und selbst in den Fuhrparks sind Kleinwagen kein Tabu mehr.

Bei Gehaltsumwandlungsmodellen für eigentlich nicht firmenwagen-berechtigte Mitarbeiter könnte der A 1 seine Abnehmer/innen finden. Aber auch langjährige Audi-Dienstwagenfahrer dürften bei der Anschaffung eines privaten Gefährtes für die Frau oder die Kinder auf den 3,95 Meter kurzen Stadtwagen aufmerksam werden.

Audi-Chef: "Wir haben den Nerv getroffen"

"Ich glaube, wir haben den Nerv des Publikums getroffen. Die Neugierde auf das Auto ist groß. Auf unseren Foren haben sich bereits mehr als 100.000 Menschen vormerken lassen. Das sind noch keine Kunden, aber sie haben ihr Interesse deutlich gezeigt und ihre Adresse hinterlassen, um weitere Informationen zu erhalten - und 90 Prozent kommen vom Wettbewerb", erklärt Stadler hoffnungsfroh.

Getreu dem Markenanspruch will sich auch der kleinste Audi von den Massenmodellen wie VW Polo, Opel Corsa oder Ford Fiesta absetzen und schon eher dem Mini von BMW oder dem Alfa Romeo Mito Marktanteile abjagen. Dafür präsentieren die „Herren der Ringe" Sonderausstattungen, die gerade erst noch in der Oberklasse-Limousine A 8 Premiere feierten.

Xenon-Scheinwerfer zum Beispiel, oder LED-Lichttechnik, Fernlichtassistent oder ein modernes Infotainmentsystem. Zur umfangreichen Liste der "Extras" gehört denn auch das große Navigationssystem für stolze 2.650 Euro. Premium hat eben auch in der Kleinwagenklasse seinen Preis.

Preise ab 15.800 Euro

Zum Start steht der Neuling mit zwei Benzin-Motoren (63 kW/86 PS und 90 kW/122 PS) zu Preisen ab 15.800 Euro sowie einem 1,6-Liter-Diesel (77 kW/105 PS) ab 18.800 Euro zur Verfügung. Im Verlauf des Jahres folgt noch eine Dieselvariante mit 66 kW/90 PS ab 17.900 Euro und durch die Fachpresse geistern bereits Computeranimationen von Viertürer und Cabrio.

Und mit Sicherheit folgen auch noch leistungsstärkere Motoren. Zunächst gilt es aber als Newcomer in diesem Segment nicht über das Ziel hinauszuschießen - und bei dieser Gelegenheit den eigenen Flottenverbrauch zu senken. Deshalb ist Audi diesmal von seiner sonstigen Strategie abgewichen und liefert zur Premiere nicht erst die teuren Top-Motoren sondern die gutbürgerlichen Antriebe, die die breite Masse ansprechen.

Start/Stopp-System serienmäßig

ESP und Start/Stopp-System sind bei allen Modellen serienmäßig an Bord des lediglich 1.040 Kilogramm schweren Viersitzers. Für den Selbstzünder gibt Audi einen beachtlichen Verbrauch von nur 3,9 Litern (CO-2-Ausstoß 99 g/km) an. Die Ottomotoren kommen laut Normwerten mit 5,1 beziehungsweise 5,3 Liter Kraftstoff aus.

Bernd Nusser