Auch die Stadt Köln will auf Steuerforderungen gegenüber Karstadt verzichten. Der Insolvenzverwalter freut sich über drei Kaufinteressenten - und hat keinen Favoriten.

Jetzt ist es offiziell: Der Kölner Stadt-Kämmerer Norbert Walter-Borjans hat am heutigen Dienstag ein Schreiben an Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg geschickt, in dem die Stadt zusagt, auf 1,7 Millionen Euro Gewerbesteuer zu verzichten.

Fast alle 94 Kommunen mit Karstadt-Filialen wollen mittlerweile auf ihre Steuerforderungen verzichten. Der Insolvenzverwalter hatte bei den Städten eindringlich für einen Steuererlass geworben. Bonn will das Geld zunächst nur stunden, was dem Insolvenzplan aber nicht weiterhilft.

Beim Steuerverzicht geht es um eine Summe von ingesamt rund 140 Millionen Euro, die den Gemeinden theoretisch zustünden. Hintergrund ist ein außerordentlicher Ertrag in der Karstadt-Bilanz, der durch einen Forderungsverzicht der Gläubiger von bis zu zwei Milliarden Euro entstehen würde.

Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) sagte, die Stadt wolle "einen Beitrag für die Zukunft von Karstadt und den Erhalt der Arbeitsplätze leisten."

Drei Bieter im Rennen, kein Favorit

Neben der Triton-Gruppe hat auch der Berliner Privatinvestor Nicolas Berggruen Interesse an einer Übernahme von Karstadt angemeldet. Als dritter möglicher Käufer wird nun auch das Immobilien-Konsortium Highstreet gehandelt, an dem die US-Investmentbank Goldman Sachs die Mehrheit der Anteile hält.

Das bisherige Gerücht, dass es zwischen Highstreet und der Gewerkschaft Verdi Geheimverhandlungen gegeben haben soll, in denen sich über Details einer Übernahme geeinigt worden sei, ist laut Verdi-Sprecherin Cornelia Haß eine Falschmeldung. "Es gab keine Gespräche und keinen Deal", sagte Haß zu derhandel.de.

Insolvenzverwalter Görg sagte der Berliner Tageszeitung "B.Z.", es gebe unter den Bietern keinen Favoriten. Highstreet habe bisher noch keine Gesellschaft benannt, die als Käufer auftritt. Sie habe dafür aber noch Zeit bis zum Abgabeschluss am Freitag. Auch bei den Angeboten Triton und Berggruen gebe es noch keinen endgültigen Stand.

Am Freitag läuft die Frist für Angebote zur Übernahme des insolventen Essener Konzerns ab. Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.